S&P: Bawag-Krise und Alpe-Adria-Verluste kein Stabilitätsrisiko

7. Juli 2006, 11:41
posten

Gesundes wirtschaftliches und soziales Umfeld stabilisiert Österreichs Bankensystem - CEE-Engagement positiv aber immer kostspieliger

Wien - Die Finanzkrise rund um die BAWAG P.S.K. und die Verluste der Kärntner Hypo Alpe-Adria-Bank (HAAB) bedeuten keine Risiko für die Stabilität des österreichischen Banken-Systems, so die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) einer aktuellen Risikoanalyse des heimischen Bankensystems. S&P weist dabei darauf hin, dass die BAWAG sowohl vom Staat als auch den großen Finanzinstituten Unterstützung bekommt.

Insgesamt kommt S&P zum Schluss, das das relativ gesunde wirtschaftliche und soziale Umfeld in Österreich auch weiterhin einen stabilisierenden Einfluss auf das heimische Banken-System hat, obwohl der Wettbewerbsdruck stark bleiben wird.

Das Kreditrisiko bei Unternehmenskrediten sei generell zurückgegangen, was S&P auf die verbesserte Finanzstärke des Unternehmenssektors und den nur moderaten Preissteigerungen bei Immobilien zurückführt. Dagegen sei das Risiko bei den Privatkreditvergaben gestiegen. S&P begründet dies mit dem weiter steigenden Anteil an Fremdwährungskrediten, den vermehrt variabel verzinsten Ausleihungen und der noch immer steigenden Zahl an Insolvenzen von Privaten und Klein- und Mittelbetrieben (KMUs).

Bemerkenswerter Erfolg

Der Beitritt von mittel- und osteuropäischen Nachbarländern zur EU wird wahrscheinlich weiterhin sowohl der österreichischen Wirtschaft als auch den dort tätigen Banken noch für viele Jahre von Vorteil sein, so die Ratingagentur weiter. Der Erfolg der österreichischen Banken in dieser Region sei bemerkenswert gut, die Wachstumsaussichten blieben günstig. Jedoch sei die Belastbarkeit bisher noch nicht getestet worden. Auch habe augenscheinlich die Risiko-Toleranz zugenommen, was sich etwa in der Bereitschaft zeige, immer kostspieligere Zukäufe zu tätigen.

Industrielle Risiken seien in Österreichs Bankensystem vergleichsweise höher als in anderen westeuropäischen Ländern. Österreichs Bankenmarkt sei gesättigt, die meisten Aktieninhaber würden für ihr Kapital keine adäquaten Rückflüsse verlangen, die Banken befänden sich unter den wettbewerbsfähigsten in Europa. Konsequenterweise würden die inländischen Gewinnmargen sich ungünstig mit anderen Systemen vergleichen. (APA)

Share if you care.