Cindy Sheehan gemeinsam mit Gusenbauer gegen Irak-Krieg

21. Juni 2006, 15:00
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Friedensaktivistin: Abzug der US-Truppen würde Gewalt beenden, Bush aus dem Amt entfernen - Gusenbauer: Irak-Krieg unnötig und falsch

Wien - Die amerikanische Friedensaktivistin und Irak-Kriegsgegnerin Cindy Sheehan hat sich dafür ausgesprochen, US-Präsident Bush aus dem Amt zu entfernen und ihn gemeinsam mit seiner Regierung für den Krieg im Irak zur Verantwortung zu ziehen. Ein Abzug der US-Truppen aus dem Irak würde die Gewalt dort beenden, sagte Sheehan bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit SPÖ-Vorsitzenden Alfred Gusenbauer am Montag Nachmittag nach ihrer Ankunft am Flughafen Wien-Schwechat.

Gusenbauer kritisierte den Irak-Krieg als "unnötig und falsch". Die gesamte Region sei dadurch destabilisiert worden.

Die vierfache Mutter Sheehan, die zu einem Symbol der Friedensbewegung geworden ist, hat einen Sohn im Irak verloren und sorgte im August des Vorjahres für internationale Schlagzeilen, als sie aus Protest wochenlang vor der Bush-Ranch in Crawford (Texas) campierte.

US-Truppen fachen Widerstand an

Die Anwesenheit der US-Truppen im Irak "fache den dortigen Widerstand an und behindere den Wiederaufbau des Landes", sagte Sheehan. Der Irak brauche friedenserhaltende Truppen "ohne Panzer und ohne permanente Stützpunkte". Das Argument, ein Abzug der US-Truppen würde zu Chaos und Bürgerkrieg führen, ließ sie nicht gelten, Chaos und Bürgerkrieg gebe es jetzt schon. Ein Abzug der US-Truppen würde den Irakern hingegen Hoffnung bringen und die Gewalt beenden. Selbst die US-Regierung habe zugegeben, dass nur ein kleiner Teil der Gewalt im Irak auf Terrorismus zurückgehe. "Widerstand gegen eine Besatzung ist kein Terrorismus", so die Friedensaktivistin.

Mehr als zwei Drittel der Amerikaner wollten eine Rückkehr der Truppen und einen Zeitplan für den Abzug, betonte Sheehan, die den US-Kongress scharf dafür kritisierte, dass er kürzlich die Aufstellung eines Zeitplans ablehnte. Die auch in Wien geplanten Demonstrationen gegen Bush nannte Sheehan "pro-amerikanisch und nicht anti-amerikanisch". In Wirklichkeit verhalte sich der US-Präsident anti-amerikanisch, denn die große Mehrheit der US-Bürger unterstützten weder die Tötung Unschuldiger noch Folter. Sheehan dankte den Österreichern, dass Demonstrationen gegen Bush organisiert worden waren, denn "was Bush tut, betrifft die ganze Welt". Deswegen sei es wichtig, dass sich die Menschen weltweit "zusammentun, um Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu verhindern".

Für Schließung von Guantanamo

Die Friedensaktivistin plädierte für eine Schließung des US-Gefangenenlagers in Guantanamo auf Kuba, das "nicht den amerikanischen Werten entspreche". Die Gefangenen hätten keine entsprechende rechtliche Vertretung. "Jeder sollte menschlich behandelt werden", so Sheehan. Gusenbauer sagte in der Pressekonferenz, der Irak-Krieg sei kein Krieg gegen den Terror und müsse "so schnell als möglich beendet werden". Saddam Hussein sei auch "nicht der einzige grausame Diktator" auf der Welt gewesen und die Begründung für den Krieg, dass das Regime in Badgad Massenvernichtungswaffen produziere und den internationalen Terror unterstütze, hätte sich als falsch erwiesen. Die Terroristen "sind anderswo", so Gusenbauer, der als Beispiele Afghanistan oder auch europäische Länder erwähnte. Der SPÖ-Vorsitzende äußerte die Befürchtung, dass der Krieg im Irak "zu mehr Instabilität und Terror führen wird" und "das genaue Gegenteil" dessen erreicht habe was das eigentliche Ziel gewesen sei.

Sheehan und Gusenbauer werden am Montag Abend im Wiener Palais Ferstel an einer Podiumsdiskussion über die Einschränkung von Menschen- und Bürgerrechten im Namen der Terrorbekämpfung und andere Fragen der US-Außenpolitik teilnehmen. (APA)

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    Irak-Kriegsgegnerin Cindy Sheehan bei Pressekonferenz mit SPÖ-Chef Gusenbauer: "Widerstand gegen eine Besatzung ist kein Terrorismus"

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