Showdown mit Deutschland

20. Juni 2006, 15:40
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Es geht um den ersten Platz in der Gruppe A - Klinsmanns Männer müssen gegen Ecuador einen Sieg einfahren: "Taktieren nicht herum"

Berlin - Wenn die Aussagen aus beiden WM-Lagern das halten, was sie versprechen, dann dürfen sich Fußball-Freunde freuen. "Wir taktieren nicht herum. Wir wollen gegen Deutschland gewinnen und Gruppen-Erster bleiben", posaunte Ecuadors Teamchef Luis Suarez, und sein deutscher Kollege Jürgen Klinsmann blieb da nichts schuldig: "Wir wollen die Gruppe A unbedingt gewinnen, als Erster ins Achtelfinale einziehen und guten Fußball liefern." Wer sein Ziel erreichen wird, ist am Dienstag ab 16:00 Uhr zwischen Ecuador - Deutschland im Berliner Stadion zu verfolgen.

Die Südamerikaner (2:0 Polen/3:0 Costa Rica) und die WM-Gastgeber (1:0 bzw. 4:2) haben sich mit zwei Siegen in den ersten zwei Spielen als erste Länder jeweils vorzeitig für die Runde der letzten 16 qualifiziert. Die "Tri" weisen vor dem "Gipfeltreffen" die bessere Tordifferenz auf, daher würde ihnen schon ein Punkt reichen. Suarez sagte aber, dass er ein Remis nicht anstrebe. "Dann ist die Gefahr zu groß, dass wir verlieren. Unser Ziel lautet Sieg", ergänzte der 48-jährige, gebürtige Kolumbianer, der Kicker aus dem Andenstaat erstmals in ein WM-Achtelfinale geführt hat. Ecuador nimmt erst zum zweiten Mal an einem Endrunde teil.

Der Erste der A-Gruppe trifft am 24. Juni in München auf den Zweiten aus Pool B (Schweden, England oder theoretisch auch Trinidad/Tobago). Suarez ("Nur wenn man Große schlägt, kann man von sich behaupten, guten Fußball zu spielen") versicherte, er habe "keinen Wunschgegner". Doch sein England-Legionär Ulises de la Cruz von Aston Villa möchte den Briten aus dem Weg gehen. "Man kann sich den Gegner zwar nicht aussuchen, aber die Deutschen müssen sich sicher mehr sorgen machen, dass sie auf die Engländer treffen könnten", meinte der Verteidiger. Suarez hat für Gedankenspielereien nichts übrig, fordert vollste Konzentration auf den "physisch, psychisch und kopfballstarken" nächsten Gegner.

"Die Deutschen sind auch gefährlich mit Standard-Situationen und geben niemals auf. Sie sind gut, aber nicht außergewöhnlich. Mitentscheidend wird sein, wer die meisten Zweikämpfe gewinnt". Der Teamchef muss auf Stürmer Carlos Tenorio, der gegen Polen und Costa Rica jeweils das Führungstor erzielt hat, wegen einer Knöchelverletzung wohl verzichten. Tenorios Ersatz dürfte Ivan Kaviedes sein. "Einige gelb-belastete Spieler gehören sicher zur Startelf" sagte Suarez und signalisierte damit, dass er einen oder zwei der bisher fünf verwarnten Akteure schonen könnte.

Die Deutschen müssen sich so oder so in Acht nehmen. Nicht nur, weil Ikone Pele den von vielen belächelten Außenseiter zum "Geheimfavorit" erklärte. Die Ecuadoriner sind auf den WM-Geschmack gekommen. "Mein großer Traum ist das Finale", erklärte De la Cruz stellvertretend für seine Mitspieler. Selbst Suarez gab zu: "Mein Traum ist es, ins Finale einzuziehen - und dann gewinnen." Er setzt auch auf Otilinos Kräfte aus dem Jenseits: "Ich denke, er schaut uns zu und drückt uns die Daumen." Der Ex-Teamspieler Otilino Tenorio war im Mai 2005 tödlich verunglückt.

Im ersten Länderspiel der Geschichte gegen Ecuador und im 16 WM-Vergleich mit einem Vertreter aus Südamerikaner, von denen bisher nur zwei (Finale 1986 gegen Argentinien 2:3 und 2002 gegen Brasilien 0:2) verloren gingen, wollen die Deutschen ihre Serie prolongieren. "Wir wollen den Sieg, um den Glauben an uns hoch zu halten", sagte Klinsmann-Assistent Joachim Löw, der dem Gegner "verbissenes, konsequentes Spiel und unheimlich enge Räume" attestiert. Kapitän Michael Ballack, wie Christoph Metzelder und David Odonkor mit einer Gelbe Karten belastet, betonte ebenfalls: "Ein Sieg gegen Ecuador würde das Selbstvertrauen für die k.o.-Runde stärken."

Zur Aufstellung für das 30. Spiel unter "Klinsi" sagte Löw, dass einzelne Wechsel "durchaus denkbar" seien, aber die gelb-belasteten Spieler nicht geschont würden, auch Ballack nicht. "Er wird auf jeden Fall spielen", so der Ex-Austria-Feldherr. Der Mittelfeldmann möchte spielen, er hat gegen Costa Rica wegen einer Wadenblessur gefehlt und sich gegen Polen eine Verwarnung eingehandelt. "Ich werde vorsichtig sein, doch will ich auch gewinnen und Erster werden. Und da gehören Zweikämpfe dazu", so Ballack. Klinsmann meldete am Dienstag Metzelder (Kniesehnenzerrung) und Oliver Kahn (Blessur im rechten Daumen) fit. Trotzdem könnte Metzlelder pausieren und durch Jens Nowotny oder Robert Huth ersetzt werden.(APA/dpa/AP/Reuters)

  • ECUADOR - DEUTSCHLAND (Berliner Stadion, 16 Uhr, Schiedsrichter: Walentin Iwanow/Russland):

    Ecuador: 12 Mora - 4 De la Cruz, 3 Hurtado, 17 Espinoza, 18 Reasco - 8 Mendez, 14 Castillo, 20 E. Tenorio, 16 Valencia - 21 C. Tenorio oder 10 Kaviedes, 11 A. Delgado Fraglich: C. Tenorio (Knöchelverletzung)

    Deutschland: 1 Lehmann - 3 Friedrich, 21 Metzelder, 17 Mertesacker, 16 Lahm - 19 Schneider, 8 Frings, 13 Ballack, 7 Schweinsteiger - 20 Podolski, 11 Klose

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