Gerangel um Europas Börsenplätze

4. Juli 2006, 16:05
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Während sich die Deutsche Börse mit Euronext-Aktionären verbünden will, plant die New Yorker Börse eine Konkurrenz in London

London/Frankfurt – Das Match um die Euronext geht weiter. Im Übernahmepoker um die Vier-Länder-Börse hat nun Hessens Ministerpräsident Roland Koch die Deutsche Börse vor zu großen Zugeständnissen gewarnt. „Wir haben nicht so viele Stärken in Deutschland, dass wir sie verschenken könnten“, sagte der CDU-Politiker. Die Deutsche Börse sei der erfolgreichste Marktplatzbetreiber Europas und sowohl der Londoner Börse (LSE) als auch der Euronext überlegen. Folglich müsse dieses Verhältnis auch bei einer Zusammenführung von Deutscher Börse und Euronext deutlich werden.

Am Montag sollte der Aufsichtsrat der Deutschen Börse zusammentreten. Es galt als sicher, dass bei dem Treffen das weitere Vorgehen im Wettstreit um die Euronext festgelegt werden sollte. Die Frankfurter haben in ihrem Ringen um die Mehrländerbörse in der New Yorker Börse (NYSE) einen starken Kontrahenten. Der Euronext-Vorstand hat sich am 1. Juni für eine Fusion mit den New Yorkern ausgesprochen, sodass die Deutsche Börse nur noch die Möglichkeit hat, die Euronext-Aktionäre für sich zu gewinnen. Sie bietet für die Euronext 8,6 Mrd. Euro, davon rund 870 Mio. Euro in bar. Es gebe jedoch Überlegungen, die Barkomponente zulasten des Aktienanteils zu erhöhen.

Expansion nach London

John Thain, Chef der NYSE, überlegt, in London eine Börse zu schaffen, die der London Stock Exchange (LSE) Konkurrenz machen könnte. Sollte die Fusion von NYSE und Euronext nicht genügend Börsenneuzugänge bringen, gebe es zwei Optionen, sagte Thain der Financial Times: die Gründung einer eigenen Börse in London oder der Kauf der LSE. Der fusionierte Handelsplatz, Euronext und NYSE, wäre mit einer Marktkapitalisierung von 15,5 Mrd. Euro der weltgrößte Börsenbetreiber. (bpf, AFP, Reuters)

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    Euronext-Boss Theodore und der New Yorker Börsenchef Thain (re.) sind sich einig

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