Neuer Ärztestreik droht

23. Juni 2006, 11:11
1 Posting

Marburger Bund entscheidet über Urabstimmung bei kommunalen Krankenhäusern - Arbeitgebern letzte Frist gesetzt

Frankfurt/Main - Nach der Beilegung des Tarifkonflikts an deutschen Universitätskliniken droht jetzt ein neuer Ärztestreik an den kommunalen Krankenhäusern. Die Ärztegewerkschaft Marburger Bund setzte den Arbeitgebern am Montag eine letzte Frist, um noch ein verhandlungsfähiges Angebot vorzulegen. Der Sprecher der Gewerkschaft, Athanasios Drougias, wies darauf hin, dass am Dienstag die Große Tarifkommission in Berlin zusammenkommt, um über ein mögliches Scheitern der Verhandlungen und die Ansetzung einer Urabstimmung über den Streik zu entscheiden.

"Den drohenden Arbeitskampf können die Arbeitgeber nur noch abwenden, wenn sie dem Marburger Bund umgehend ein detailliertes Angebot für einen arztspezifischen Tarifvertrag vorlegen", betonte Drougias. Ein solches Angebot sei bisher nicht eingegangen, fügte er Montagmittag auf Anfrage hinzu. Das bei der bisher letzten Verhandlungsrunde am 9. Juni vorgelegte zweiseitige "Gesprächspapier" sei unzureichend und bilde keine Grundlage für seriöse und Erfolg versprechende Verhandlungen. Das Papier sei eine "Provokation".

Die Gespräche waren daraufhin abgebrochen, bisher aber noch nicht formell für gescheitert erklärt worden. Drougias sagte, es sei jetzt "fünf vor zwölf", um den drohenden Streik noch abzuwenden. Wenn zur Sitzung der Großen Tarifkommission noch immer kein verhandlungsfähiges Angebot vorliege, werde diese mit hoher Wahrscheinlichkeit das Scheitern erklären und für Mittwoch den Beginn der Urabstimmung ansetzen. Diese würde dann bis Ende der Woche abgeschlossen, sodass bereits am kommenden Montag der Streik an den kommunalen Krankenhäusern beginnen könnte.

Den am Freitag mit der Tarifgemeinschaft deutscher Länder vereinbarten Vertrag für die Ärzte an Unikliniken bezeichnete der Sprecher des Marburger Bunds ausdrücklich als eine gute Verhandlungsgrundlage auch für die kommunalen Krankenhäuser. An den Unikliniken gab es nach seiner Aussage am Montag keinerlei Streiks mehr. Nach der Einigung vom Montag hatte die Ärztegewerkschaft zur Aussetzung des Arbeitskampfs aufgerufen. Die Große Tarifkommission will bei ihrer Sitzung am Dienstag in Berlin auch über die Annahme des Vertrags zu den Uniklinik-Ärzten entscheiden. Stimmt sie ihm wie erwartet zu, soll auch die Urabstimmung darüber laut Drougias "zeitnah" erfolgen, sodass der Tarifkonflikt endgültig beigelegt werden kann. Dafür ist eine Zustimmung von 50 Prozent erforderlich. (APA/AP)

Share if you care.