"Nebeneinander-Tun" bringt Journalistinnen Chancen

20. Juni 2006, 11:21
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Deutscher Journalistinnenbund präsentiert Umfrage-Ergebnisse: Gesunkene Honorare, Zusatzjobs als Chance

Bonn - Die Arbeitsbedingungen von Journalistinnen haben sich dramatisch verschlechtert. Ein Großteil der frei arbeitenden Journalistinnen kann von ihrem Beruf alleine nicht mehr leben, sondern muss sich mit anderen Jobs über Wasser halten. Dieses Ergebnis einer Fragebogenaktion wurde am 10. Juni auf der Jahrestagung des Journalistinnenbundes (JB) in Bonn vorgestellt.

"Mangelhaftes Einkommen"

An der Umfrage des Journalistinnennetzwerkes hatten sich 108 überwiegend freiberufliche Medienfrauen beteiligt. Ein Drittel bezeichnete das eigene Einkommen als mangelhaft bis sehr schlecht. Die Umfrage ergab aber auch einen positiven Trend: In allen Bereichen des Journalismus gibt es neue Betätigungsfelder, zum Beispiel Textagenturen für Buch- und Filmbiografien, und damit mehr Chancen für freie Journalistinnen.

Zusatzjobs

Auf der Jahrestagung konstatierten die Medienfrauen, dass die Honorare in den vergangenen Jahren kontinuierlich gesunken sind. Honorare von 20 Cent pro Zeile sind keine Seltenheit. Sie machen das wirtschaftliche Überleben unmöglich. Immer mehr Journalistinnen üben deshalb eine weitere Tätigkeit aus. Sie schreiben Bücher, moderieren Veranstaltungen, nehmen Forschungsaufträge an oder unterrichten an Schulen. Journalistinnen, die gleichzeitig PR betreiben, geraten oft in einen Konflikt. Die Teilnehmerinnen der Jahrestagung waren sich einig, dass Journalistinnen auf keinen Fall über Personen oder Themen berichten sollten, für die sie auch Öffentlichkeitsarbeit betreiben. Das Nebeneinander von mehreren Tätigkeiten bietet aber auch Chancen. Eine freie Journalistin, die auch an einer Schule unterrichtet, berichtete: "Aus dem einen Bereich ziehe ich neue Ideen für den anderen."

Hedwig-Dohm-Urkunde

Der Journalistinnenbund verlieh am Samstagabend die Hedwig-Dohm-Urkunde an die Berliner Hörfunkjournalistin Gesine Strempel. Mit dieser Auszeichnung ehrt das Netzwerk jedes Jahr eine Kollegin für ihr Lebenswerk und ihr frauenpolitisches Engagement. Sie ist nach der frauenpolitisch engagierten Journalistin Hedwig Dohm benannt, deren Geburt sich in diesem Jahr zum 175. Mal jährt. Die Preisträgerin Gesine Strempel arbeitet seit 1967 als Moderatorin, Autorin und Reporterin für die Zeitpunkte-Redaktion, früher SFB, heute RBB. Sie kämpft für Themen wie die Aufarbeitung des NS-Regimes und ist in ihrer Streitbarkeit den Jüngeren ein Vorbild. Außerdem übersetzte Gesine Strempel die Werke bekannter amerikanischer Autorinnen. Die Regisseurin Helke Sander sagte in ihrer Laudatio, Strempel habe sich wie Hedwig Dohm immer für die Frauen eingesetzt. Beiden sei es gelungen, das Schöne mit dem Intelligenten zu verbinden. (red)

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