Sekretärin getötet: Lebenslange Haft formell bestätigt

19. Juni 2006, 13:39
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Wiener OLG wies Berufung gegen Höchststrafe für heimtückischen Granatenanschlag zurück

Wien - Eigentlich hatte sich der 39-jährige Unternehmer, der im Vorjahr für einen Mordanschlag mit einer entsicherten Handgranate auf seine Sekretärin zu lebenslanger Haft verurteilt worden war, mit der Höchststrafe bereits abgefunden. Im April zog er seine Strafberufung zurück, nachdem der Oberste Gerichtshof (OGH) seine Nichtigkeitsbeschwerde verworfen hatte. Seine Haltung änderte sich allerdings, als er vom Schicksal des Gmundner Fliesenlegers Peter Heidegger las.

Dieser war 1994 wegen Mordes an einer Salzburger Taxilenkerin zu 20 Jahren Haft verurteilt worden. Später stellte sich jedoch seine Schuldlosigkeit heraus. Heidegger, der acht Jahre zu Unrecht hinter Gittern verbrachte, erhielt eine Haftentschädigung in der Höhe von 950.000 Euro zugesprochen.

"Alles ausschöpfen"

Darauf entschloss sich der Unternehmer, seine Berufung doch noch auszuführen. "Wir müssen alles ausschöpfen", gab er seinem Anwalt Herbert Eichenseder vor. Der Verteidiger brachte also ein Rechtsmittel ein Papier, mit dem sich heute, Montag, das Oberlandesgericht Wien auseinander zu setzen hatte.

Der Berufungssenat (Vorsitz: Herbert Körber) benötigte im Justizpalast keine zehn Minuten, um die erste Instanz voll inhaltlich zu bestätigen. Im gegenständlichen Fall sei kein Raum für eine Strafminderung, hieß es in der Begründung. Der somit endgültig zu lebenslanger Haft verurteilte Mörder hatte darauf verzichtet, sich zur Berufungsverhandlung ausführen zu lassen.

Laut nunmehr rechtskräftigem Urteil hatte er am 20. September 2004 seine Sekretärin auf der Höhenstraße in Wien-Döbling zu Tode gebracht, indem er die 39-jährige Frau beauftragte, Handgranaten aus dem Kofferraum eines Pkw auszuladen.

Sprengfalle

Die Gerichte nahmen es als erwiesen an, dass der hochverschuldete Betreiber einer Schuldnerberatung seiner Sekretärin eine einfache, aber effektive Sprengfalle gestellt hatte, nachdem ihm diese ihr Haus und eine Lebensversicherung überschrieben hatte. Er inszenierte eine Art "Waffenübergabe" an die Polizei, wobei er eine entsicherte Handgranate in den Kofferraum der ihm dabei behilflichen Sekretärin legte.

Danach entfernte er sich von dem geparkten Pkw, rief die Frau auf ihrem Handy an und trug ihr auf, mit dem Ausladen zu beginnen. Als sie tat, wie ihr geheißen, schnappte die Falle zu: Die Granate dürfte den Ausführungen des Sprengsachverständigen Anton Eder zufolge mit einem 110 Zentimeter langen schwarzen Müllsack umwickelt und einem Kleinkalibergewehr beschwert worden sein, um zunächst das Abgleiten des Bügels zu verhindern. Als die Sekretärin die Last anhob, vergingen drei bis maximal 4,5 Sekunden, ehe es krachte.

Ein Druck von 30 Bar wirkte auf die Frau ein. Die 39-jährige Mutter einer zwölf Jahre alten Tochter hatte keine Überlebenschance. Eine Handgranate enthält 2.500 bis 3.000 Splitterteile. Mehr als 100 Treffer zählte man an der Leiche. (APA)

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