Birgit Breuel, kritisierte Expo-Generalkommissarin

8. Juni 2000, 23:00

Deutschlands pflichtbewusste "eiserne Lady"

Birgit Breuel liebt es zackig: "Wer hat hier das Kommando?", fragte sie eine Gruppe von JournalistInnen kurz vor der Eröffnung auf dem Expo-Gelände in Hannover. "Nur Bestes", erwiderte sie knapp auf die Erkundigung nach ihren Erwartungen in die Weltausstellung. Passend zu ihrem Auftreten trägt Breuel den Titel einer "Generalkommissarin". Kein Wunder, dass die 62-Jährige den Ruf genießt, Deutschlands "eiserne Lady" zu sein. Sie ist hart zu sich, aber auch zu anderen. Von ihren MitarbeiterInnen verlangt sie vollen Einsatz, den sie selbst auch leistet. Vor Eröffnung der Weltausstellung am 1. Juni trieb die gebürtige Hamburgerin ihre MitarbeiterInnen zu Höchstleistungen an, damit alle Vorbereitungen pünktlich fertig würden. Da aber trotz generalstabsmäßig abgeschlossener Arbeiten der ZuschauerInnenandrang in der ersten Woche seit Öffnung der Schau weit hinter den Erwartungen blieb, steht sie im Zentrum der öffentlichen Kritik.

Undankbare Aufgaben zu übernehmen ist die Tochter des Hamburger Privatbankiers Alwin Münchmeyer, der auch jahrelang Vorsitzender der Deutschen Industrie- und Handelskammer war, jedoch gewohnt. Als sie 1991 Präsidentin der Treuhandanstalt wurde, war ihr klar, dass sie keine einfache Aufgabe übernommen hatte. Ihr Vorgänger Detlev Rohwedder war von RAF-Terroristen erschossen worden. Sie bezeichnete das Himmelfahrtskommando aber als "größte Management-Herausforderung, die Deutschland zu bieten hat", und stürzte sich in die Arbeit, die rund 8000 ehemals volkseigenen DDR-Betriebe zu privatisieren.

Als dies weitgehend erledigt war, übernahm die aschblonde Powerfrau mit der Expo-Vorbereitung die nächste undankbare Aufgabe. Für die Politikwissenschafterin war damit eine Rückkehr nach Niedersachsen verbunden, wo sie zwischen 1978 und 1990 Wirtschafts- und Finanzministerin war. In ihrer Partei, der CDU, waren ihre Forderungen nach radikalem Subventionsabbau umstritten.

Sie selbst sagt von sich, dass ihre "Hundertprozentigkeit" ihr größter Fehler sei. Zu der Härte, die die mit einem Verlagskaufmann verheiratete Breuel ausstrahlt, haben gewiss auch eine Reihe von Schicksalsschlägen beigetragen. Dazu gehören der Niedergang der elterlichen Privatbank, der frühe Krebstod eines ihrer Söhne und ein Attentat auf ihre Mutter, das in Zusammenhang mit Breuels Job als Treuhandchefin stand.

Pflichtbewusstsein gehört zu den von ihr hoch gehaltenen Tugenden, und so wird sie ihre Aufgabe voll erfüllen, bis die Expo Ende Oktober ihre Tore schließt. Auf die Frage, was sie dann tun wolle, offenbart Breuel, die die Frauenzeitschrift Emma einmal als "Kerl im Kostüm" bezeichnet hatte, Überraschendes: Maiglöckchen züchten und einfach nur ausspannen. Alexandra Föderl-Schmid

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