Vergleich kostet 600 Millionen

29. Juni 2006, 13:44
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Laut Konzernbilanz 2005 - "Durch Bürgschaft der Republik war es möglich, Wert­berichtigungen über 900 Millionen Euro aufzulösen"

Wien - Am 27. Juni wird der zuständige Insolvenz-Richter in der Causa Refco, Robert Drain, den Globalvergleich der österreichischen Gewerkschaftsbank BAWAG P.S.K. mit den Gläubigern und Investoren des insolventen US-Brokers Refco verhandeln und nach Hoffnung der Österreicher auch endgültig absegnen.

Die BAWAG zahlt wie berichtet an die Vergleichspartner 675 Mio. Dollar (und zusätzlich 8 Mio. Dollar an einen Vergleichsfonds), um sich von milliardenschweren Klagsrisiken in den USA freizukaufen: Macht 683 Mio. Dollar oder umgerechnet 540 Mio. Euro.

Zur "Darstellung der dafür nötigen Kosten", wie es in der Konzernbilanz heißt, aber auch zur Stabilisierung und Stärkung der BAWAG hat die Republik Österreich ihre 900-Millionen-Euro-Haftung abgegeben. Für einen Teil dieser Haftung werden faule Kredite abgedeckt. Mit dem anderen Teil eben die Settlement-Kosten.

In der vorliegenden vollständigen Bilanz für 2005 werden die Rückstellungen für den US-Vergleich genau beziffert: "Für notwendige Zahlungen aus dem Settlement mit den Refco-Gläubigern, für Anwaltskosten sowie für weitere Prozessrisiken wurden Rückstellungen im Ausmaß von 600 Mio. Euro gebildet."

Einbau eines Polsters

Die Differenz von 540 auf 600 Mio. Euro sind nicht bloß Anwalts- und Beraterkosten, heißt es in der Bank zur APA. "So viel war es für die Anwälte nicht". Zur Erstellung der Bilanz sei die genaue Höhe des Vergleichs noch nicht hundertprozentig fest gestanden, so dass man einen "Polster" einbaute, um "auf der sicheren Seite" zu sein.

Im Risikobericht (Kreditgeschäft) schreibt die BAWAG P.S.K. in den Erläuterungen zur Konzernbilanz, dass in der Konzern-Gewinn- und Verlustrechnung rund 400 Mio. Euro Wertberichtigungen für Kreditforderungen an Refco sowie Rückstellungen für Prozessrisiken, vor allem für die Zahlung aus dem Vergleich mit den Refco-Gläubigern, im Ausmaß von eben 600 Mio. Euro gebildet wurden. Für Forderungen gegen den Eigentümer bzw. mit Haftung des Eigentümers (ÖGB) wurden Wertberichtigungen in Höhe von 300 Mio. Euro gebildet.

Durch die Bürgschaft der Republik Österreich war es möglich, Wertberichtigungen in Höhe von 900 Mio. Euro aufzulösen.

Zusätzlich, so schreibt die Bank, wurden Rückstellungen für Engagements in ausländische Märkte in Höhe von 210 Mio. Euro verwendet.

ATV braucht Kapital, Bösendorfer-Markenwert 2 Mio.Euro

Die massiv von Karibik-Refco-Verlusten gedrückte Bilanz der BAWAG für 2005 enthält auch einige Anmerkungen zu den bankfremden Beteiligungen, die wie berichtet eigentlich durch Verkauf "versilbert" werden sollten.

Zum Privat-TV-Sender ATVplus heißt es: "Auf Grund der nach wie vor andauernden Anlaufphase benötigt ATV+ noch Kapitalzufuhren seitens der Hauptgesellschafter BAWAG P.S.K.-Gruppe und der Gruppe um den deutschen Filmhändler Dr. Herbert Kloiber und seiner Tele München Gruppe".

In seiner jetzigen Form gibt es ATV seit rund drei Jahren. Insgesamt ist die BAWAG P.S.K. seit Ende 1996 an der ATV Privat-TV-Services AG beteiligt. Aktuell hält das 100-Prozent-Konzernunternehmen Ingebe Medien Holding GmbH eine Beteiligung von 43,11 Prozent.

Bösendorfer

Die Marke der nach wie vor defizitären Klaviermanufaktur Bösendorfer ist in der Konzernbilanz der BAWAG P.S.K. nur mit wenigen Millionen bewertet: In der Position "Software und andere erworbene immaterielle Vermögensgegenstände" ist das Recht an der Marke "Bösendorfer" mit 2 Millionen Euro enthalten, heißt es in den Erläuterungen zum Konzernbericht BAWAG P.S.K. Über den Beteiligungswert gibt es keine extra Angaben.

Die Nutzungsdauer wird, wie es zu Börsendorfer weiter heißt, unbegrenzt angenommen, eine lineare Abschreibung erfolge nicht. Die Marke "Bösendorfer" verkörpere die traditionsreiche, weltweit bekannte Klaviermanufaktur, die auf ein mehr als 175-jähriges Bestehen zurück blickt.

Zur fusionsbedingten "Erstkonsolidierung" zum Anfang Oktober 2005 wurden zahlreiche Assets, Töchter und Beteiligungen der BAWAG und P.S.K. aufgewertet. Die Bank spricht von einer "Erstbewertung". Allein im Zuge der Erstkonsolidierung der Postversicherung entstand ein positiver Goodwill in Höhe von 7 Mio. Euro. Im Detail wurden bei folgenden Tochterunternehmen "Goodwills aktiviert" und unter den immateriellen Vermögenswerten ausgewiesen. (APA)

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