Illegaler Handel mit Kunst aus Italien noch größer als angenommen

27. Juni 2006, 11:41
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Im Getty-Museum in Los Angeles weit mehr Werke aus illegalen Grabungen als bisher bekannt - Auch in Bostoner Museum

Rom/Los Angeles - Das Ausmaß des illegalen Handels mit antiken Kunstschätzen aus Italien scheint weit größer zu sein, als zunächst erwartet: Ein Team italienischer Experten habe jetzt zusammen mit amerikanischen Kollegen entdeckt, dass sich im Getty-Museum in Los Angeles weit mehr Werke aus illegalen Grabungen befinden, als bisher bekannt war. Zudem seien auch im Museum von Boston Kunstschätze gefunden worden, die ohne Genehmigung aus Italien ausgeführt wurden, berichtete die Zeitung "Il Messaggero" am Montag unter Bezug auf einen Artikel der "Los Angeles Times".

Insgesamt handele es sich um 350 Vasen, Urnen, Statuen und Skulpturen im Wert von über 100 Millionen Euro. In einem spektakulären Prozess in Rom gegen die ehemalige Kuratorin des Getty-Museums, Marion True, geht es seit vergangenem Herbst bisher lediglich um rund 50 antike Kunstwerke. True soll nach Auffassung der Staatsanwaltschaft über Jahrzehnte hinweg römische, etruskische und griechische Stücke erworben haben, obwohl sie gewusst habe, dass diese aus illegalen Grabungen in Italien stammen.

Mitangeklagt ist der in der Schweiz lebende Kunsthändler Emanuel Robert Hecht - und das Museum in Boston sei einer seiner wichtigsten Kunden gewesen, schreibt die "Los Angeles Times". Am Montag wollte der italienische Kulturminister Francesco Rutelli mit dem neuen Direktor des Getty-Museums, Michael Brand, zusammentreffen, um über eine eventuelle Rückgabe der Kunstschätze zu verhandeln. (APA/dpa)

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