Nachbarn erstochen: Schuldspruch und Einweisung in Anstalt

21. Juni 2006, 09:21
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18-Jähriger starb, zwei Verwandte durch Messerstiche verletzt - 28-Jähriger zu 20 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt

Korneuburg - Des Mordes für schuldig befunden haben am Montagabend Geschworene in Korneuburg einen 28-Jährigen, der im Jänner in einem Mehrparteienhaus in Strasshof (Bezirk Gänserndorf) einem 18-Jährigen tödliche Messerstiche zugefügt und zwei weitere Männer verletzt hatte. Das Urteil lautete auf 20 Jahre Freiheitsstrafe und Einweisung in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher.

Die Attacken auf die beiden Verwandten des 18-Jährigen wurden entgegen der auf Mordversuch lautenden Anklage als absichtlich schwere Körperverletzung gewertet. Die Verteidigung nahm Bedenkzeit, die Staatsanwaltschaft gab keine Erklärung ab. Das Urteil ist somit nicht rechtskräftig.

Notwehr

Der Teilzeitangestellte eines Sicherheitsunternehmens hatte sich in dem Prozess mit Notwehr verantwortet. Als ihn die drei mit Faustschlägen attackiert hätten, habe er nach dem Messer in seiner Tasche gegriffen und sich - nach dem Verlust seiner Brille - blindlings gewehrt. Hingegen sagten die überlebenden Zeugen (27 und 17) - der Onkel und der Bruder, die dem Opfer zu Hilfe eilten - aus, der Mann hätte kommentarlos zugestochen. Zuvor habe er wütend "Scheiß-Tschuschen" gebrüllt.

Dem tödlichen Streit vorangegangen war laut Aussage des Angeklagten monatelanger "Lärmterror" durch Musik und Fernseher seitens der aus Serbien stammenden Familie. Man habe ihn absichtlich gequält. An jenem Samstagnachmittag fühlte er sich zum zweiten Mal an diesem Tag derart belästigt, dass er an der Sprechanlage "Sturm" läutete. Wieder zurück im Stiegenhaus, kam ihm das spätere Opfer entgegen.

Zeugenaussage

Der jüngere Bruder des Getöteten - dessen Freundin vor sechs Wochen ein Kind zur Welt brachte - sagte aus, dass am Tag zuvor die Kellertür seiner Familie beschmiert worden war: "Dreckige Bagage" stand da, zuvor war ein Kreuz aufgemalt worden, einmal hing eine tote Ratte an der Türschnalle.

Laut psychiatrischem und psychologischem Gutachten liegt beim Beschuldigten eine massive kombinierte Persönlichkeitsstörung mit starken paranoiden Anteilen und schizoiden bzw. schizotypen Zügen vor. Auf Grund der Unfähigkeit, selbst neutrale Handlungen nicht als feindselig aufzufassen, könnten Alltagskonflikte ohne entsprechende Behandlung analoge Taten nach sich ziehen, lautete die Zukunftsprognose. (APA)

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