Türkisch-zypriotischer Führer für neue Verhandlungen

10. Juli 2006, 16:52
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Talat stellt UNO-Plan von 2004 zur Disposition und will "bei Null" beginnen

Istanbul - Der Führer der türkischen Zyprioten, Mehmet Ali Talat, hat neue Verhandlungen mit der zypriotischen Regierung vorgeschlagen. Dabei sei er sogar bereit, den 2004 von den griechischen Zyprioten verworfenen UNO-Wiedervereinigungsplan für die Mittelmeerinsel zur Disposition zu stellen und "bei Null" anzufangen, sagte Talat in einem am Montag von der englischsprachigen "Turkish Daily News" veröffentlichten Interview. Talat rief gleichzeitig die Türkei auf, ihre Häfen nicht für Güter aus dem griechischen Teil Zyperns zu öffnen, so lange die wirtschaftliche Isolierung des türkischen Inselsektors fortbestehe.

Die EU verlangt von Ankara, die Zollunion auf das EU-Mitglied Zypern bis spätestens Ende des Jahres auszudehnen. Völkerrechtlich ist ganz Zypern seit Mai 2004 Mitglied, doch findet das Regelwerk der Union in dem von türkischen Truppen besetzten Norden keine Anwendung. Die "Türkische Republik Nordzypern" (KKTC) wird nur von Ankara anerkannt.

Bekenntnis zur Wiedervereinigung

In dem Interview bekannte sich Talat ausdrücklich zum Ziel der Wiedervereinigung Zyperns. Forderungen türkisch-zypriotischer Politiker nach einer Zwei-Staaten-Lösung wie in der früheren Tschechoslowakei bezeichnete Talat als Ausdruck von Frustration angesichts der unnachgiebigen Haltung der griechischen Zyprioten.

Talat deutete an, dass die türkischen Zyprioten auch in neuen Verhandlungen auf Autonomie innerhalb eines wiedervereinigten Staates bestehen würden. Die Türkei, die 1974 den Nordteil der Mittelmeerinsel militärisch besetzte und dort ständig bis zu 40.000 Soldaten stationiert sowie 110.000 Festlandtürken angesiedelt hat, will den Zugang zu ihren Häfen und Flughäfen für Schiffe und Flugzeuge aus Zypern nur dann gestatten, wenn die international nicht anerkannte "Türkische Republik Nordzypern" eigene Handelsbeziehungen zum Rest der EU haben darf.

Referendum

Der UNO-Wiedervereinigungsplan war von den griechischen Zyprioten 2004 in einem Referendum mit großer Mehrheit abgelehnt worden, weil er der überwiegenden Mehrheit der nach der türkischen Invasion 1974 vertriebenen 200.000 griechischen Zyprioten und deren Nachkommen die Rückkehr in ihre Heimatorte verwehrte, zugleich aber vorsah, dass ein großer Teil der angesiedelten Festlandtürken und der türkischen Truppen auf der Insel bleiben kann. Die türkischen Zyprioten akzeptierten den Plan. (APA)

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