Vorstand: Umwandlung in Europa AG "kein Thema"

4. Juli 2006, 16:12
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EU-Rechtsform kennt Trennung zwischen Vorstand und Aufsichtsrat nicht - Bankchef könnte in "nicht-exekutive" Position

Klagenfurt/Wien (APA) - Die Umwandlung der Hypo Alpe-Adria-Bank (HAAB) in eine so genannte Europa AG ist für den Vorstand der Kärntner Bank "kein Thema". Die Tageszeitung "Kurier" berichtet in ihrer Montag-Ausgabe, dass mit einer solchen Änderung der Rechtsform dem Vorstandsvorsitzenden Wolfgang Kulterer ein Verbleib in der Spitze der Bank ermöglicht werden soll, auch wenn die Finanzmarktaufsicht (FMA) ihn wegen der Spekulationsverluste seines Amtes entheben sollte.

Zu den Medienberichten "kann seitens der Bank keine Stellungnahme erfolgen, da eine Änderung der Rechtsform eine reine Eigentümerentscheidung ist", heißt es in der Aussendung. Weiters wird betont, "dass die Frage 'Europa AG' nicht diskutiert wird und daher kein Thema ist." Die laufenden Verfahren stellten jedenfalls für den Vorstand keinen Grund dar, derartige Überlegungen anzustellen.

Bericht über Sonderprüfung

Bis Dienstag, 20. Juni, muss die Hypo Alpe-Adria-Bank International AG ihre Stellungnahme zum Bericht über die Sonderprüfung durch die Nationalbank abgeben muss. Laut Hypo-Vorstandschef Wolfgang Kulterer wird die Bank diese Stellungnahme fristgerecht abliefern. Bis zum 30. Juni muss die HAAB laut Kulterer zudem eine Stellungnahme an die Finanzmarktaufsicht übermitteln.

Umgründungsgerüchte

Der "Kurier" hatte in seiner Montagsausgabe unter Berufung auf involvierte Kreise berichtet, die Hypo Alpe Adria Bank plane eine Änderung der Rechtsform. Die Umwandlung in eine Societas Europaea (SE) solle dem wegen Bilanzproblemen in Bedrängnis gekommenen Chef der HAAB, Wolfgang Kulterer, einen Verbleib an der Spitze der Kärntner Bank ermöglichen. Diese auch "Europa AG" genannte Rechtsform kennt die bei österreichischen Aktiengesellschaften übliche Trennung von Vorstand und Aufsichtsrat nicht.

Kulturer könnte in einer Europa AG seinen Posten als Generaldirektor aufgeben, aber weiter in einer "nicht-exekutiven" Position im "Board" (Vorstand und Aufsichtsrat in einem) verbleiben, schrieb die Zeitung. Die Hypo Alpe Adria wolle nämlich ihren bisherigen Chef unbedingt halten - trotz der hohen Spekulationsverluste, deretwegen ihm ein Amtsenthebungsverfahren bei der Finanzmarktaufsicht (FMA) droht. Mit einem Rückzug Kulterers aus dem operativen Bereich könnte den FMA-Bedenken Genüge getan werden. Zugleich könnte Kulterer weiter im Hintergrund die Strategie der Bank mitbestimmen, so die Überlegung.

Umwandlung innerhalb weniger Wochen möglich

Wirtschaftsprüfer bestätigen dem "Kurier", dass die Umwandlung der Bank in eine Europa AG - eine solche Rechtsform hat in Österreich bereits der Baukonzern Strabag - innerhalb von wenigen Wochen über die Bühne gehen könnte. An der Bilanz der Bank würde sich nichts ändern. Neu geregelt werden müsste aber die gesetzliche Mitbestimmung der Arbeitnehmer. Die Europa AG sieht nämlich ein eigenes Gremium für die Arbeitnehmervertreter vor, die in herkömmlichen Aktiengesellschaften ein Drittel des Aufsichtsrats besetzen. Die neue Rechtsform ist im Jahr 2004 durch eine EU-Verordnung geschaffen worden. (APA)

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