Siemens und Nokia verschmelzen weltweit Netzwerkgeschäft

29. Juni 2006, 10:21
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Nokia Siemens Networks beschäftigt 60.000 Mitarbeiter und kokmmt auf knapp 15,8 Mrd. Euro Umsatz - Jeder Zehnte von 60.000 Jobs soll wegfallen

Siemens stößt seine kriselnde Kommunikationssparte ab und verschmilzt sie mit dem Netzwerkgeschäft des finnischen Handy-Riesen Nokia. Die neue Firma Nokia Siemens Networks werde die Nummer drei unter den Telekom-Ausrüstern weltweit, kündigten Siemens-Chef Klaus Kleinfeld und sein Nokia-Kollege Olli-Pekka Kallasvuo am Montag in Frankfurt an. Rechnet man Cisco ins Ranking mit ein, kommt der neue Anbieter auf Platz vier.

In Österreich sind von der Zusammenlegung knapp 400 Mitarbeiter betroffen

An dem Joint Venture mit 16 Mrd. Euro Umsatz halten Siemens und Nokia je 50 Prozent. Von den rund 60.000 Jobs sollen 10 bis 15 Prozent wegfallen. In Österreich sind von der Zusammenlegung knapp 400 Mitarbeiter betroffen. Die Siemens-Kommunikationssparte erzielte in Österreich im Geschäftsjahr 2005/06 (per Ende März) mit 276 Mitarbeitern einen Umsatz von 443 Mio. Euro. Nokia Österreich beschäftigt insgesamt 125 Mitarbeiter, auf die Netzwerksparte entfallen rund 100 Vollzeit-Beschäftigte.

Mitmischen

Deutschlands größter Elektronikkonzern und der weltgrößte Handy-Hersteller wollen mit dem Joint Venture stärker im hart umkämpften Telekommunikationsmarkt mitmischen. Das Geschäft beherrschen zunehmend fusionierte Branchenriesen wie Ericsson/Marconi oder Alcatel/Lucent, außerdem drängen asiatische Billiganbieter auf den Markt. Mit einem Umsatz von 15,8 Mrd. Euro - davon 9,2 Mrd. Euro von Siemens und 6,6 Mrd. Euro von Nokia - liegt das deutsch-finnische Gemeinschaftsunternehmen nur wenig hinter den beiden Konkurrenten.

"Die neue Firma wird das Gesicht der ganzen Industrie verändern"

"Die neue Firma wird das Gesicht der ganzen Industrie verändern", meinte Siemens-Chef Kleinfeld. Von einer "hervorragenden Angriffsposition" sprach der designierte Vorstandschef Simon Beresford-Wylie, der bisher im Nokia-Vorstand saß. Nokia Siemens Networks werde durch seine breite Produktpalette und die starke Position in allen Wachstumsmärkten zum unbestrittenen Champion aufsteigen.

Das neue Unternehmen soll seinen Hauptsitz in Nokias Heimatstadt Helsinki haben. In München, dem Siemens-Konzernsitz, werden drei von insgesamt fünf Geschäftseinheiten angesiedelt. Die Kartellbehörden müssen dem Zusammenschluss noch zustimmen. Der Abschluss des Verfahrens wird bis Jahresende erwartet.

Einsparungen

Siemens und Nokia rechnen bis 2010 mit Einsparungen von rund 1,5 Mrd. Euro, die Kosten für Restrukturierung und Integration werden in gleicher Höhe angesetzt und vor allem in den ersten beiden Jahren zu Buche schlagen. Sparen wollen Siemens und Nokia durch die Anpassung von Produkten und Service sowie durch gemeinsame Forschung, Entwicklung und Vertrieb.

Außerdem werden 6.000 bis 9.000 der insgesamt 60.000 Stellen gestrichen. Wo und wann die Stellen wegfallen, ist noch offen. Nokia bringt in die neue Firma rund 23.000 Mitarbeiter aus seiner Netzwerksparte ein. Siemens gliedert aus seiner Kommunikationssparte Com rund 37.000 Mitarbeiter aus, davon 11.000 in Deutschland.

Immer wieder wurde über den Verkauf weiterer Teile spekuliert worden

Das Com-Geschäftsfeld Drahtlose Module schlägt Siemens zum 1. Oktober der Sparte Automatisierungstechnik zu, über das Geschäft mit Unternehmensnetzen wird mit mehreren Interessenten verhandelt. Damit wird die Kommunikationssparte, Siemens älteste und größte Sparte mit zuletzt 55.400 Mitarbeitern, aufgelöst. Der Konzern kämpft seit einiger Zeit mit Problemen im Telekommunikationsgeschäft und verschenkte im Sommer 2005 sein verlustreiches Handy-Geschäft. Immer wieder wurde über den Verkauf weiterer Teile spekuliert worden.

Kleinfeld und Kallasvuo sagten, das Gemeinschaftsunternehmen könne schneller und erfolgreicher auf den Wandel in der Kommunikationswelt reagieren, wo Mobilfunk und Festnetz-Telefonie immer enger zusammen wachsen und die Übertragung von Sprache, Bildern oder Daten immer häufiger über die gleichen Geräte erfolgt. Die Forschungsabteilungen seien weltweit führend. "Wir haben den richtigen Partner zur richtigen Zeit gefunden", sagte Kallasvuo.

Ränge

Siemens war schon bisher Nummer vier im Netzwerkgeschäft, Nokia die Nummer sechs. Weltmarktführer ist Lucent/Alcatel mit umgerechnet 19,8 Mrd. Euro, knapp gefolgt von Cisco Systems mit 19,7 Mrd. Euro und Ericsson mit 16,4 Mrd. Euro. Hinter Siemens folgt Nortel mit 8,3 Mrd. Euro. Bei Mobilfunknetzen ist Nokia die Nummer zwei hinter Ericsson.(APA/AP/Reuters)

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