Contra: Der Preis des Erfolges

8. Juni 2000, 20:02

Eric Frey

Es gibt Monopole, die vom Staat eingerichtet und verteidigt wurden, indem er Konkurrenten den Marktzutritt untersagte. Dazu gehörten bis zur Liberalisierung die europäischen Telefonkonzerne. Andere entstehen, indem sich mächtige Konzerne offen oder geheim zu einem Kartell zusammenschließen und damit den Wettbewerb außer Kraft setzen. Das Monopol, das Microsoft im Markt für Computer-Betriebssysteme errungen hat, entstand weder durch staatliche Hilfe noch durch Absprache. Der Software-Riese aus Redmond hat zum richtigen Zeitpunkt mit den richtigen Partnern Produkte auf den Markt gebracht, die sich zum Standard einer neuen Industrie entwickelten.

Nicht immer bestimmt der Beste den Standard. Nicht Betamax, sondern das technisch weit weniger gute VHS-System setzte sich bei den Videorekordern durch. Bei den Eisenbahnschienen wären andere Spurenweiten von Vorteil, doch auch hier zwingt der vor 200 Jahren gesetzte Standard zur Konformität.

Auch Microsoft-Produkte sind zugegebenermaßen nicht das Beste, was es auf dem Markt gibt. Dennoch werden sie von Millionen von Menschen verwendet, denen Kompatibilität und Austauschbarkeit wichtiger ist als technische Perfektion. Das war Bill Gates' Erfolgsrezept, was sein Rivale Steven Jobs von Apple nicht verstanden hat, deshalb bleibt selbst der wunderbare iMac ein Nischenprodukt.

In einer sich rasch wandelnden Technologie ist die Monopolmacht, die der Standardsetzer innehat, nie von langer Dauer. Als Microsoft anfangs die Internetrevolution verschlief, war das Unternehmen in Gefahr, alles zu verspielen. Im Kampf gegen den früheren Marktführer Netscape setzte Gates höchstwahrscheinlich illegale Mittel ein und hätte dafür schon vor Jahren bestraft werden sollen.

Doch das Unternehmen heute deshalb zu zerschlagen ist weder gerecht noch sinnvoll. Netscape gibt es nicht mehr, und Microsofts Sieg im Browser-Krieg bedeutet noch lange nicht, dass es im Internet die gleiche Machtposition halten kann wie im PC-Markt. Das Internet ist dank seiner dezentralen Struktur für Anwendermonopole ungeeignet. Microsoft muss wie seine Konkurrenten tagtäglich um sein Leiberl rennen. Ein Unternehmen, dass seit Jahren viele der besten Köpfe der Software-Industrie zusammenbringt und zu Hochleistungen motiviert, kann unter diesen Umständen Innovationen hervorbringen, die der ganzen Wirtschaft zugute kommen.

Für seine Gegner ist Bill Gates das personifizierte Böse, und jeder, dessen Windows-Computer nicht funktioniert, wird ähnlich denken. Doch ohne Microsoft wäre die ganze Informationstechnologie-Branche nicht dorthin gekommen, wo sie heute steht. Vielleicht wird der Konzern selbst einmal entscheiden, sich aufzuspalten. Gezwungen werden aber sollte er dazu nicht.

Share if you care.