Asiens Börsen bleiben für Fidelity erste Wahl

31. Juli 2006, 13:32
posten

Trotz wachsender Volatilität sieht der US-Fondsriese Fidelity die Börsen Asiens als Hoffnungsregion Nummer eins für Anleger

Der Kursverfall an den asiatischen Börsen in den vergangenen Wochen hat Erinnerungen an die Finanzkrise vor einem Jahrzehnt wachgerufen. Doch die Lage ist nicht vergleichbar, betont Michael Gordon, Global Chief Investment Officer der Fidelity-Gruppe. "Das ist eine Marktkorrektur und keine Finanzkrise", sagte er vergangene Woche auf dem "Asia Day" des amerikanischen Fondsriesen in Frankfurt. "All das ist gar keine schlechte Entwicklung, denn die Märkte hatten zu Jahresanfang überschossen."

Gordon empfiehlt Anlegern, Aktien aus Asien im Portefeuille überzugewichten. Vor allem für Japan, Korea und Indien ist er "bullish" gestimmt.

Sparer ohne Aktien

Folgende Argumente bringt Gordon vor, warum asiatische Papiere gerade nach den jüngsten Turbulenzen viel Aufwärtspotenzial haben. "Asiaten haben höhere Sparquoten, aber einen geringeren Teil ihrer Ersparnisse in Aktien als andere. Die Menschen sitzen auf sehr defensiven Anlageformen, die an die Börsen umgelenkt werden könnten. Und dies wird von den Regierungen unterstützt."

Die Folge sei, dass der Asien-Anteil in globalen Portefeuilles geringer ist als der asiatische Anteil am Welt-Bruttoinlandsprodukt. Auch die Bewertung der asiatischen Märkte sei im internationalen Vergleich recht niedrig. Und schließlich sei der ausländische Aktienbesitz in Asien seit der Asienkrise von 1996/97 um ein Dreifaches gestiegen.

Aber Gordon warnt davor, ganz Asien über einen Kamm zu scheren. "Asien ist keine Region, sondern eine Gruppe verschiedener Länder." So seien Japan, Korea oder China nicht miteinander vergleichbar. Deshalb müsse jedes Land einzeln analysiert werden, damit man sich ein Bild von der Region machen kann.

Indien statt China

Die größten Kopfzerbrechen bereitet Fidelity dieser Tage China. Einerseits bietet der laufende Privatisierungsprozess von Staatsunternehmen neue Anlagechancen, doch müssen sich ausländische Anleger immer noch mit zahlreichen rechtlichen Hürden herumschlagen. "China ist eine wunderbare Story, aber ein schwieriger Ort für Anleger", sagt Gordon. "Für Anleger hat Indien viel mehr Zukunftspotenzial, denn dort herrscht eine ausgeprägte Unternehmenskultur. Indien hat die Unternehmen zum Investieren, China hat sie nicht."

Fidelity ist in China vor allem über die Hongkonger Börse investiert, wo chinesische Unternehmen so genannte H-Aktien gelistet haben. Die Schwergewichte kommen alle aus dem Energie-, Telekom-und Finanzsektor, sagt Fidelity-Analystin Maria Abbonizio, wobei aber Fidelity Bankaktien, wie die zuletzt an die Börse gebrachte Bank of China, tendenziell vermeidet. "Deren Kreditvergabepraxis ist nicht so solide, wie sie sein sollte", sagt Gordon.

Hoffnungsvoll für Anleger ist der allmähliche Abbau der dualen Aktienstruktur an den chinesischen Börsen Schanghai und Shenzhen, sagt Abbonizio. So würden die bisher nicht handelbaren A-Aktien, die vom Staat gehalten werden, in handelbare G-Aktien umgewandelt werden. Ein Moratorium auf Börsengänge seit 2005 sollte nächstes Jahr zu Ende gehen und zu einer IPO-Welle führen.

Noch viel zu tun

Im Zuge der Reform werde auch den bisher schlecht behandelten Minderheitsaktionären mehr Rechte zugestanden. "Es ist noch viel zu tun, aber es geht in die richtige Richtung", sagt Abbonizio. Die volle Öffnung der Kapitalmärkte werde jedoch noch lange auf sich warten lassen.

Dennoch sieht Abbonizio kurzfristig mehr Aufwärtspotenzial bei den in Hongkong gehandelten Aktien als in China selbst. "Hongkong hat sich in der Phase der wachsenden Volatilität gut gehalten, und die Bewertung ist attraktiv." A-Aktien seien hingegen höher bewertet, weil dies für chinesische Anleger die einzige Alternative zu niedrig verzinsten Spareinlagen sei. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 19.6.2006)

Eric Frey aus Frankfurt
Share if you care.