Salzburger Haus für Mozart: Schöner Klang, tolle Fluchtwege

18. Juni 2006, 21:11
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Beim Pre-Opening - eine Art Dankeschön der Festspiele an die zahllosen Sponsoren - konnte man hören, dass der optisch wenig atmosphärische Saal in puncto Akustik über Qualitäten verfügt

Salzburg - Die Bewältigung der Wegstrecke bis zum nun fertigen Salzburger Neubau darf man getrost als einen punktuell politisch wie behördlich nicht nur produktiv mitgestalteten Mix aus Stafettenlauf und Marathon bezeichnen. Und wer zwar nicht den ganzen, aber doch den wesentlichen letzten Teil des Weges absolviert hat, der kann wohl auch gar nicht anders, als nach Überschreiten der Ziellinie das Recht auf etwas spontane Emotion einzufordern:

"Ich muss jetzt aufpassen, dass ich nicht gleich weine!", entschlüpft es der Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler bei ihrer Begrüßungsrede beim für Sponsoren veranstalteten Pre-Opening des Hauses für Mozart. Nun, Tränen flossen keine. Vielmehr ist anzunehmen, dass bald wieder Geld fließen wird.

So ein Scheinwerfer kostet nun einmal zarte 38.000 Euro. Und da noch nicht ausreichend viele da sind, nimmt die Präsidentin die Gelegenheit des vollen Hauses wahr, um zu weiteren Spenden zu ermuntern. Sie sollen sich zu jenen 8,7 Millionen Euro gesellen, die die Festspiele bisher aufgebracht haben - bei Gesamtkosten von 29,07 Millionen Euro.

Hätte sie kein Mikro in der Hand gehabt, man hätte die Präsidentin dennoch gut gehört. Denn zweifellos ist die akustische Situation im neuen Haus auf dem Weg, eine beglückende zu werden. Da wird zwar noch gefeilt, was man daran ablesen konnte, dass Professor Karlheinz Müller die Konzertgelegenheit nutzte, um einen Akustiktest bei vollem Haus zu moderieren.

Aber so wie sich die Stimme von Vesselina Kassarova im Raum entfaltete, strahlend in jeder Lage und tragfähig im Leisen (Ausschnitten aus Mozarts Clemenza), verspricht das Vergnügen. Und dies für jeden Platz, wie man nach kleinem Hörprobenrundgang durch den geringfügig verbreiterten, aber stark verkürzten und nun sehr hohen Raum feststellen konnte.

Die Nachhallzeit von 1,5 bis 1,6 Sekunden verstärkt die Stimme, für ein auf der Bühne postiertes Orchester scheint sie jedoch etwas zu üppig. Da ist die Camerate (mit acht ersten Geigen) in einer kleine Formation angetreten, bei Tuttistellen gerät der Klang dennoch etwas breiig. Wie das Verhältnis Stimme/Orchester bei einer Opernaufführung ist, wird bei den Festspielen zu beurteilen sein.

An den Dialogen zwischen Dirigent Peter Ruzicka, Orchester und Solist Till Fellner war allerdings abzuhören, dass hier ein strahlender, transparenter Sound möglich ist, dass jeder Patzer gnadenlos entlarvt wird und dass auch die beste Akustik eine etwas behäbige Interpretation nicht in den Rang einer flotten Besonderheit erheben kann.

Angenehm: Die Sitzgelegenheiten für 1494 Besucher sind sehr bequem (mit den 77 Stehmöglichkeiten hat das Haus nun eine Kapazität von 1571 Plätzen, also 250 mehr als früher). Und die Fluchtwege ermöglichen ein schnelles Verlassen des Saales. Was nicht nur Kritiker freut.
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 19.6.2006)

Von Ljubisa Tosic
  • Swarovskis eher diskussionswürdiger Beitrag zum umgebauten kleinen Festspielhaus: eine Wand 
im Foyer, behängt 
mit 35.000 Lilien-Strass- 
Komponenten.
    foto: wild & team

    Swarovskis eher diskussionswürdiger Beitrag zum umgebauten kleinen Festspielhaus: eine Wand im Foyer, behängt mit 35.000 Lilien-Strass- Komponenten.

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