Analyse: Kein Spatenstich vor Wahl

7. Juli 2006, 11:50
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Am Donnerstag soll die Vorentscheidung fallen, wer das erste Teilstück der Nordostumfahrung Wiens (A5) baut

Wien - Der mit rund einer Milliarde Euro dotierte Auftrag der Asfinag ist einer der größten jemals in Österreich vergebenen. So wie es derzeit ausschaut ist das Konsortium um die deutsche Hochtief und die Salzburger Alpine Billigstbieter vor Strabag/Porr und Bilfinger Berger. Die Deutschen sollen um über hundert Mio. billiger sein als die Konkurrenz. Doch ob sich der von der Asfinag gewünschte Spatenstich vor der Wahl im Oktober tatsächlich ausgehen wird, ist mehr als fraglich. Der Österreich-Chef von Bilfinger, Richard Metzenbauer, sagte bereits, er könne nicht glauben, dass ein Konkurrent gleich um zehn Prozent günstiger anbiete. Da Bilfinger und das Strabag-Konsortium eine ordnungsgemäße Vergabe bezweifeln, wird es vermutlich Einsprüche geben.

Sollte sich die Asfinag erneut für einen Ausländer entscheiden, so erinnert die Vergabe eklatant an den Zuschlag für die Lkw-Maut vor wenigen Jahren. Die italiensche Autostrade war damals um 100 Mio. billiger, weil sie keinen Risikozuschlag einkalkuliert hatte. Ähnlich könnte es auch jetzt bei der A5 sein. Bei der Lkw-Maut gingen die Österreicher Siemens und OMV leer aus, obwohl ihr Angebot in der Sache selbst um 40 Mio. günstiger war - basierend auf einer modernen GPS-und GSM-Technologie, die sich mittlerweile in Deutschland mithilfe von Siemens Österreich bewährt hat.

Vorteil oder Nachteil

Dazu muss man wissen: Jedes große Projekt im Inland ist eine tolle Referenz für Aufträge im Ausland. Anders als die Spanier, die Franzosen, die Engländer oder die Italiener, die ganz selbstverständlich speziell Vorzeige-Projekte an inländische Firmen vergeben, hat man "in Österreich den Eindruck, dass es eher ein Nachteil, denn ein Vorteil ist Inländer zu sein", berichtete ein Industriemanager. Ganz wesentlich bei der Vergabe von Großprojekte ist auch die Eigenkapitalausstattung der Unternehmen. Die spanischen Konzerne etwa haben dank erfolgreichen Lobbyings bei der EU viel Geld eingesammelt - durch große von der EU geförderte Projekte in Spanien, wodurch sie ihre Finanzkraft enorm gestärkt haben. So wird der spanischen Baufirma FCC Interesse an der Alpine nachgesagt. Die Ferrovial-Gruppe, hat jüngst gar um 15 Mrd. Euro sieben britische Flughäfen übernommen.

Die Chancen von Strabag/Porr auch im Inland erfolgreich zu sein, scheinen nun eher gering zu sein. Beide werden sich daher künftig schwer tun, bei den großen noch kommenden Infrastruktur-Projekten, speziell in den EU-Erweiterungsländern zum Zug zu kommen, da ihnen im Vergleich zur ausländischen Konkurrenz die Referenzprojekte im Inland fehlen. Im Ausland versteht man es unter formaler Berücksichtigung der Vergaberichtlinien offenbar sehr wohl Lokalpräferenz zu fördern. (Claudia Ruff, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 19.6.2996)

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