Spanier als mögliche Käufer

29. Juni 2006, 13:43
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Interessiert an der Bawag zeigen sich spanische Banken, die vor allem in Lateinamerika aktiv waren, auch wenn keine offiziell Kaufabsichten bestätigt

Mailand/Madrid/Wien - Die Bawag muss rasch verkauft werden. Angesichts des notwendigen raschen Handelns sei "ein Verkaufserlös von 2,5 Milliarden Euro nicht realistisch", sagte ÖGV-Finanzchef Clemens Schneider am Wochenende im ORF-Radio.

Bisher stehen Kandidaten, die ernsthafte Kaufabsichten haben. Aber nicht gerade Schlange. Wie verlautete, gibt es zwar mehrere Interessenten, aber noch keine konkreten Gespräche. Interessiert zeigen sich insbesondere spanische Banken, die bisher vor allem in Lateinamerika aktiv waren, auch wenn keine von ihnen offiziell Kaufabsichten in Österreich bestätigen möchte. Gleich mehrere Banken haben prall gefüllte Kassen und auch konkrete Expansionsabsichten.

Größte Bank der Eurozone

Ein heißer Kandidat für den Kauf der Bawag P.S.K wäre zweifelsohne Banco Santander Central Hispano. Sie ist die größte Bank der Eurozone und laut Forbes-Liste an 19. Stelle auf der Weltrangliste der Unternehmen. Wie am Samstag Santander-Chef Emilio Botin auf der Hauptversammlung mitteilte, wird heuer "ein Gewinn von sieben Milliarden Euro" angepeilt. Botin betonte, dass Santander neben dem natürlichen Wachstum seiner Kundenzahl und der Kredite auch durch Akquisitionen zulegen wolle. Er präzisierte, dass sich Santander bei Übernahmen auf das Privatkunden-Geschäft konzentrieren wolle - womit die Bawag P.S.K. mit ihrem dichten Filialnetz ein geeigneter Kandidat wäre. Aber auch die Banco Bilbao Vizcaya Agentaria (BBVA) hat in den vergangenen Jahren kräftig zukauft, bisher aber auch vor allem in Lateinamerika. Die BBVA hat auch die spanische Postbank geschluckt - wie die Bawag die P.S.K. in Österreich.

Die Mailänder Großbank Banca Intesa hat dagegen keine Absichten, die Bawag P.S.K. zu übernehmen. Dies bestätigte ein Banksprecher dem STANDARD. Zwar befindet sich Banca Intesa, Bankpartner des Versicherers Assicurazioni Generali, auf Wachstumskurs. Im Visier stehen aber eher Banken in Ost- und Südosteuropa, heißt es bei Italiens zweitgrößter Bank.

Mailänder Interesse an Osteuropa

Die Mailänder verfügen über hundert Prozent an der ungarischen Central European International Bank, Mehrheitsbeteiligungen in Kroatien (Privredna Banka Zagreb), der Slowakei (Vsobecna Uverova Banka) und in Serbien (Banca Intesa Beograd). Sie sind auch in Bosnien, Rumänien und Bulgarien präsent. Banca Intesa will vor allem in Russland weiter expandieren. Dort hat sie als einziges Institut Italiens eine Lizenz: Zao Banca Intesa.

Intesas Partner Generali kommentiert - wie berichtet - dagegen Gerüchte nicht mehr, wonach Italiens größter Versicherungskonzern die Bawag gemeinsam mit der deutschen Commerzbank übernehmen will. Aber eine offizielle Bestätigung gibt es dazu auch nicht.

Offizielle Stellungsnahme zum Schuldenstand

Eine offizielle Stellungnahme gab ÖGB-Finanzchef Schneider dagegen zum Schuldenstand der Gewerkschaft ab: Die Gesamtschulden des ÖGB bezifferte er mit rund zwei Milliarden Euro, die kolportierten drei Milliarden seien zu hoch. Schneider führte auch aus, woher die Schulden kommen. Eineinhalb Milliarden seien im Zuge der Fusion zwischen Bawag und P.S.K. entstanden. Zusätzlich hat der ÖGB bei der Bayerischen Landesbank 380 Millionen Schulden. Schließlich kommen rund 230 Millionen Euro aus Verbindlichkeiten von ÖGB-Töchtern beziehungsweise Stiftungen dazu, bestätigte Schneider. Er selbst sprach von "ungeheuerlichen Summen".

Vom Verkauf abhängig

Nun hänge "vieles" vom Verkauf der Bawag ab. Man hoffe, "genügend lukrieren" zu können, um alle Schulden zu tilgen. Einen konkreten Betrag wollte Schneider aber nicht nennen. Er verwies zugleich auf Aktivposten und Vermögenswerte wie Immobilien und Beteiligungen, die man "weit gehend" behalten müsse, um bilanzieren zu können. (afs, tkb, rw, APA/DER STANDAD, Print-Ausgabe, 19.6.2006)

  • ÖGB-Finanzchef Clemens Schneider bezeichnete einen Verkaufserlös von 2,5 Milliarden Euro als "nicht realistisch".
    foto: standard/fischer

    ÖGB-Finanzchef Clemens Schneider bezeichnete einen Verkaufserlös von 2,5 Milliarden Euro als "nicht realistisch".

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