Bamiyan: Thailändisches Angebot

19. Juni 2006, 09:00
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Von Taliban zerstörte Buddha-Statuen sollen wiedererrichtet werden - bisherige Vorstöße verliefen im Sande

Bangkok - Die vor fünf Jahren vom damaligen radikal-islamischen Taliban-Regime in Afghanistan zerstörten Buddha-Statuen von Bamiyan sollen wiedererrichtet werden. Die Sprengung der beiden zum UNESCO-Weltkulturerbe zählenden Riesenskulpturen hatte im März 2001 weltweit Protest und Entsetzen ausgelöst. Der thailändische Ministerpräsident Thaksin Shinawatra sagte am Sonntag vor der Presse in Bangkok, er habe das Projekt mit dem afghanischen Präsidenten Hamid Karzai während einer zweitägigen Regionalkonferenz in Kasachstan besprochen und den Wiederaufbau angeboten.

Man werde die Überreste der gesprengten Buddhas zusammentragen und neue Statuen errichten, sagte Thaksin. Die thailändische Bevölkerung ist zu mehr als 90 Prozent buddhistischen Glaubens. In Afghanistan sind 99 Prozent Moslems. Karzai habe den Vorschlag begrüßt und wolle ihn mit seiner Regierung erörtern, hieß es.

Historischer Hintergrund

Buddhistische Mönche hatten die beiden 38 und 55 Meter hohen Statuen im 6. Jahrhundert bei Bamiyan im Hindukusch-Gebirge aus dem Fels gehauen. Das fundamentalistische Taliban-Regime ließ die Buddhas tagelang beschießen und schließlich mit Dynamit sprengen, weil sie ihrer Ansicht nach eine Beleidigung des islamischen Glaubens darstellten. Das Regime fand wenige Monate nach den Terroranschlägen von New York und Washington am 11. September 2001 nach der US-Militärintervention ein Ende.

Die UNO-Kulturorganisation UNESCO ist seither damit beschäftigt, das zu bewahren, was von der historischen Stätte übrig ist. Die in den Fels gehauenen Nischen, in denen die gigantischen Buddhas standen, wurden vor dem Einsturz bewahrt. Überreste der Statuen wurden gesichert, übrig gebliebene Wandmalereien konserviert.

Beton (k)eine Alternative

Zwar gab es vor allem aus der Schweiz immer wieder Vorstöße, die Statuen neu zu errichten. Aber dazu fehlten nicht nur ein Mandat der afghanischen Regierung und die technischen Fähigkeiten, sondern vor allem Geld. Die UNESCO hält Kosten von 30 Millionen Dollar (23,7 Mio. Euro) für realistisch. Finanziell günstiger, als die Buddhas wieder wie einst in Stein zu meißeln, dürfte ein Alternativvorschlag sein, den die UNESCO freilich ablehnt: Die Statuen aus Beton zu gießen. (APA/dpa)

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