"Mission Bruno": Der Hauptdarsteller fehlt

20. Juni 2006, 14:02
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Bärenjagd kostete bisher bereits 100.000 Euro - Gesuchtes Tier offenbar wieder in Tirol

München/Innsbruck - Entsetzt brüllende, panisch herumlaufende Kühe: Das war das jüngste - indirekte - Lebenszeichen des "Bruno von Tölz", jenes Bären, dem seit geraumer Zeit mit einigem Aufwand nachgestellt wird.

Der Kurzausflug des Tieres, vom WWF liebevoll "JJ1"getauft, im Raum Bad Tölz in Bayern ist wieder vorbei. Es gab Sichtungen vor einem Café in der Nähe einer Polizeiwache, eine resolute Bayerin will ihn mit bellenden Lauten von ihrer Terrasse vertrieben haben, und "Bruno"bot auch sportliche Einlagen, er soll aus dem Stand 2,5 Meter auf eine Mauer gesprungen sein.

In der Nacht zum Sonntag war er auf einer Alm bei Achenkirch im Bezirk Schwaz in Tirol. Dort richtete er auch Sachschaden an: Das Vieh beschädigte gegen 23 Uhr einen Holzzaun. Dadurch seien Kühe ausgebrochen und in Angst und Schrecken versetzt worden.

Witterung aufnehmen

Die Jäger wüssten also, wo sie ihre finnischen Bärenhunde hinbringen müssten, um des "Brunos" Witterung aufnehmen zu können. Allein, auch am Sonntag war es für finnische Hundeverhältnisse ein wenig sehr heiß, und es war unklar, ob die Hetzhunde zum Einsatz kommen können.

Inzwischen hat die "Mission Bruno"100.000 Euro gekostet. Der WWF hat bei 70.000 Euro aufgehört Geld auszugeben. Das Bärenbudget für 2006 ist erschöpft, sagt WWF-Sprecherin Susanne Grof. Der WWF werde nicht mehr Landesaufgaben übernehmen.

In den Landesregierungen herüber und drüber der Grenze hat man das auch eingesehen und greift in die Kassen. 25.000 Euro Kosten für die Hundejäger aus Finnland würden sich das Land Tirol und Bayern teilen. Der am Freitag durch Agrarlandesrat Anton Steixner (VP) und Bayerns Umweltminister Werner Schnappauf beschlossene Einsatz eines fünften Experten mit Bärenhund läuft; Hund und Herrl waren Sonntag auf dem Weg vom Innsbrucker Flughafen nach Bayern.

Vertrag offen

Der Vertrag mit den Hundeführern sei "nach oben offen" meinte der Verantwortliche der Hundestaffel, Manfred Wölfel. "Wichtiger als über Geld zu reden ist es, den Problembären aus den Siedlungsgebieten zu entfernen."

Wobei: Nicht nur die Hitze macht den hechelnden Spezialisten auf vier Beinen Schwierigkeiten. Bevor es heiß wurde, hat es ordentlich geregnet. Und nach den heftigen Regenfällen fällt es den Hunden schwer, Witterung aufzunehmen. (APA, red/DER STANDARD-Printausgabe, 19.06.2006)

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