Wasser-Qualität: Nickel und Blei belasten die Gesundheit

20. Juli 2006, 13:29
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Problem Armaturen und alte Hausleitungen - Schwermetall-Werte sinken nach dem "ersten Schwall"

Wien - Mehr als 25.000 Personen haben in der Aktion "Wassercheck" testen lassen, was bei ihnen zu Hause aus der Leitung fließt. Dabei hat sich herausgestellt, dass oft genau dort das Problem liegt: Wasser kann auf den letzten Metern, das es in Leitungen und Armaturen zurücklegt, belastet werden.

Das sind die Ergebnisse des laufenden "Wasserchecks" der Firma Aqua Quality Austria (AQA): Blei findet sich vor allem in Großstädten und besonders in Wien, wo 22 Prozent der eingelangten Proben eine Grenzwertüberschreitung aufwiesen. Weiters wurde in den insgesamt mehr als 25.000 Proben aus ganz Österreich in jedem achten Fläschchen eine Überschreitung des Nickel-Grenzwerts festgestellt. Das ist für Menschen mit einer Nickel-Allergie problematisch.

"Gesamtösterreichisches Thema"

"Nickel ist ein gesamtösterreichisches Thema", sagte Thomas Schlatte von AQA der APA. Er sieht vor allem bei Armaturenherstellern "Handlungsbedarf". Spitzenreiter bei Nickel-Belastungen war Salzburg mit sieben Prozent der eingeschickten Proben (NÖ: 5,9 Prozent, Bgld: 5,8 Prozent, Wien: 5,2 Prozent, OÖ und Stmk: 4,4 Prozent, Vorarlberg 4,3 Prozent, Tirol 4,1 Prozent, Kärnten 2,9 Prozent).

Insgesamt habe jede fünfte von den Kunden durchgeführte und eingesandte Probe Überschreitungen von zulässigen Höchstwerten aufgewiesen. "Die Belastungen des Wassers rühren hauptsächlich aus Materialien der Armaturen und Hausleitungen wie Nickel, Blei, Chrom oder Kupfer bzw. sind auf unzureichend gewartete Wasserenthärtungsanlagen zurückzuführen", so Schlatte.

Die Werte beziehen sich auf Wasser, das gleich nach dem Aufdrehen des Hahns entnommen wurde. Schwermetallische Belastungen aus Leitungen und Armaturen reduzieren sich durch längeres Ablaufenlassen oder spülen sich dabei ganz aus. Wie lange man aufgedreht lassen muss, ist von Haushalt zu Haushalt unterschiedlich. Außerdem kann sich das Wasser schon nach kurzen Stehzeiten rasch wieder mit Schwermetallen anreichern.

Ein paar Minuten laufen lassen

"Den Menschen zu sagen, 'Lasst's das Wasser einfach ein paar Minuten laufen', kann im Sinne eines bewussten Umgangs und auch aus wirtschaftlichen Aspekten keine zielführende Botschaft sein. Bei einem durchschnittlichen Wasserpreis von 1,10 Euro würde dies Mehrkosten für die Haushalte von mindestens 20 Millionen Euro jährlich bedeuten, wenn jeder versorgte Haushalt das Wasser täglich in Summe bis zu drei Minuten vor dem Gebrauch laufen lässt", stellte Schlatte fest.

Bei Hausbrunnenanlagen tauchen immer wieder Nitrate und Phosphate - ins Grundwasser gelangte Rückstände von Düngemitteln - auf. Abkochen hilft nicht: "Mit dem Kochen steigt die Schadstoffkonzentration im Verhältnis zum Wasser", warnt Schlatte. (APA)

Service

Der H2OME Wassercheck ist in Postfilialen um 45 Euro (alle Porti inkludiert) erhältlich. Eingesandte Proben werden von ARC Seibersdorf research auf Belastungen sowie auf den Gehalt an Kationen und Mineralstoffen untersucht.

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    Wasser kann auf den letzten Metern, das es in Leitungen und Armaturen zurücklegt, belastet werden.

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