Renaissance in Portugal

18. Juni 2006, 13:11
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Scolari-Team erstmals seit 1966 wieder im Achtelfinale - Portugals magisches Dreieck glänzte gegen Iran - Figo: "Viel Gepäck dabei"

Frankfurt/Main - Nach 40 Jahren Tristesse träumt Portugal dank seines "magischen Dreiecks" von einer Renaissance. Beim 2:0 am Samstag gegen den Iran verbreiteten die Torschützen Deco (63.) und Cristiano Ronaldo (80./Foulelfmeter) sowie der doppelte Vorbereiter Luis Figo den erhofften Glanz und führten Eusebios Erben erstmals seit 1966 wieder in ein WM-Achtelfinale.

"Wir haben es geschafft, Geschichte zu schreiben. Das war die beste Leistung, die mein Team in den vergangenen sieben oder acht Partien gezeigt hat", jubelte Portugals brasilianischer Teamchef Luis Felipe Scolari über die vorzeitige Qualifikation für die K.o.-Runde. Der EM-Zweite 2004 lässt sich auch von der bevorstehenden schweren Aufgabe gegen Titelkandidat Argentinien oder die Niederlande nicht schrecken.

"Wir alle freuen uns auf die nächsten großen Gegner. Wir können uns ohnehin nicht aussuchen, gegen wen wir spielen", erklärte Figo und warnte die Konkurrenz: "Wir haben viel Gepäck dabei, damit wir so lange wie möglich in Deutschland bleiben können".

Scolari hofft nach dem souveränen Auftritt auf eine Fortsetzung. "Wir wollen auch im Achtelfinale an unsere bisherige Leistung anknüpfen. An einem guten Tag können wir jeden Gegner schlagen. Wir schauen aber nur von Spiel zu Spiel. Jetzt wollen wir erst einmal Mexiko bezwingen und dann werden wir sehen, was danach rauskommt", meinte der brasilianische Coach, der seinen mit Gelb vorbelasteten Spielern im Gruppen-Finale eine Erholungspause gönnen will.

Gegen den Iran harmonierten Portugals Stars vor 48.000 Zuschauern im ausverkauften Frankfurter Stadion über weite Strecken prächtig. Doch im Abschluss ließ der Favorit einige Schwächen erkennen, ehe Deco den Bann nach gut einer Stunde mit einem Geniestreich brach. "Der Sieg war unheimlich wichtig, denn nun stehen wir gegen Mexiko nicht unter Druck. Wir wollen so weit wie möglich kommen und wissen, dass wir jeden Gegner schlagen können", verkündete der zum Mann des Spiels gewählte 28-Jährige.

"Deco ist einer der besten Fußballer der Welt. Es war für uns sehr wichtig, ihn wieder dabei zu haben", adelte Portugals Idol Figo den Mittelfeldregisseur vom FC Barcelona, der im ersten Vorrundenspiel gegen Angola verletzt gefehlt hatte. Sogar vom Gegner kam Lob. "Das macht einen Spieler wie Deco eben aus, genau in einer solchen kritischen Phase das Tor zu machen", meinte der iranische Teamchef Branko Ivankovic, dessen Vertrag nach der WM ausläuft.

Da der Iran wie 1978 und 1998 nach der Vorrunde die Heimreise antreten muss, scheint ein weiteres Engagement des Kroaten unwahrscheinlich. "Ich weiß nicht, ob er weitermacht. An den Spekulationen beteilige ich mich nicht", erklärte Mehdi Mahdavikia. Trotz der Enttäuschung sieht der HSV-Legionär die Mannschaft auf dem richtigen Weg: "Es tut weh, ausgeschieden zu sein. Denn es war unser großes Ziel, die nächste Runde zu erreichen. Aber wir haben gute junge Spieler, mit denen wir in Zukunft wieder eine starke Auswahl aufbauen können." (APA/dpa)

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