Porträt: Robert Fico - Sprachrohr der Unzufriedenen

18. Juni 2006, 19:44
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Smer-Vorsitzender seit Jahren Politiker mit besten Umfragewerten - Jurist punktete mit Kritik an Reformen

Preßburg - Einen "Bolschewisten" nennt ihn sein schärfster Gegenspieler, einen "Populisten" schimpfen ihn andere Kritiker. Doch für viele Menschen in der Slowakei ist Robert Fico ein echter Hoffnungsträger. Der Chef der bei der Wahl am Samstag siegreichen oppositionellen Smer (Richtung - Soziale Demokratie) ist seit mehreren Jahren der Politiker mit den besten Umfragewerten in der Slowakei. Fico punktete mit Kritik an den Reformen der Mitte-Rechts-Regierung. Er will das Land "zurück zur Menschenwürde" und zu sozialistischen Ideen führen, wie es Fico propagiert.

Gegen Wirtschaftsliberalismus

Seit Fico im Dezember 1999 seine eigene Partei Smer ("Richtung") gründete, gilt der studierte Jurist und Strafrechtsexperte als Sprachrohr der Unzufriedenen und Zukurzgekommenen im Lande. Und davon gibt es viele in der Slowakei. Seit acht Jahren regiert der Christdemokrat Mikulas Dzurinda das einstmals kommunistische Land auf einem strikt wirtschaftsliberalen Kurs. Er führte Zuzahlungen im öffentlichen Gesundheitssystem ein, flexibilisierte das Arbeitsrecht und reduzierte soziale Leistungen für Arbeitslose. Kein Land in Europa hat niedrigere Löhne und zugleich ein stärkeres Wirtschaftswachstum: Im Durchschnitt verdienen die Slowaken rund 450 Euro im Monat; das Wirtschaftswachstum lag 2005 bei 6,1 Prozent.

Für ausländische Firmen gilt die Slowakei mit niedrigen Löhnen und Steuern als Paradies. Doch die Slowaken selbst haben nur teilweise Gewinn aus dem harten Reformkurs schlagen können. Die Arbeitslosenquote betrug im Vorjahr 16,2 Prozent, sank jedoch Mai auf 10,56 Prozent. Zwar räumen 70 Prozent der Slowaken ein, dass die Reformen wohl notwendig sind. Doch gleichzeitig sagen 45 Prozent, ihr Lebensstandard habe sich seither verschlechtert, und zwölf Prozent geben an, dass die Neuerungen sie in Armut gestürzt hätten.

Koalitionsabhängig

Laut Wahlprogramm will die Smer die 19-Prozent-Einheitssteuer (flat tax) auf ein progressives System umstellen, einige Privatisierungen stoppen und Mindestlöhne einführen. Ob sich diese Pläne allerdings ohne weiteres umsetzen lassen, wird auch von den Bündnispartnern abhängen, auf die sich Fico einlassen muss.

Der 41-Jährige stammt aus bescheidenen Verhältnissen. Aus einer Mittelschichtfamilie in der Kleinstadt Topolcany arbeitete er sich über das Jusstudium in Preßburg in die Politik hoch. Mehrmals stand der redegewandte junge Mann mit dem blonden Kurzhaarschnitt bereits vor dem Sprung in die Spitze. Seine Karriere startete er in der post-kommunistischen Partei der Demokratischen Linken (SDL). Als diese jedoch nach der Wahl von 1998 ins Regierungsbündnis einstieg und den Nachwuchspolitiker bei der Vergabe der Ministerposten überging, stieg Fico enttäuscht aus und gründete seine eigene Partei.

Vor der Wahl 2002 führte der Neuling lange Zeit sämtliche Umfragen an. Doch bei der Wahl selbst erreichte die Smer nur noch 13,5 Prozent der Stimmen und wurde drittstärkste Partei. Die Schlappe beflügelte den Jungstar der Politik jedoch nur, der stets Optimismus und Arbeitseifer versprüht. "Ich halte mich für einen sehr disziplinierten Menschen", sagt er von sich selbst. Er ist verheiratet und hat einen Sohn. (APA)

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    Der 41-jährige Robert Fico stammt aus einer Mittelschichtfamilie in der Kleinstadt Topolcany; er studierte Jusstudium in Preßburg und arbeitete sich in der Politik hoch.

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