USA moralischer Sieger gegen Italien

18. Juni 2006, 11:11
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Coach Arena: "Zwei Ausschlüsse innerhalb von nur fünf Minuten sind eine harte Sache" - Lippi: "Wir waren nicht brillant"

Kaiserslautern - "Das war ein verrücktes Spiel." Italiens Teamchef Marcello Lippi brachte es nach dem 1:1 des dreifachen Weltmeisters am Samstagabend in Gruppe E in Kaiserslautern gegen die USA auf den Punkt. 37 Fouls, drei Ausschlüsse (WM-Allzeit-Rekord egalisiert) in 19 Minuten und ein Eigentor waren die Highlights einer spielerisch nur mittelmäßigen, aber kämpferisch außergewöhnlichen WM-Partie. Moralischer Sieger der Härteschlacht waren die USA, die trotz fast 45-minütiger numerischer 9 gegen 10-Unterlegenheit das Remis über die Zeit brachten und in dieser Phase sogar noch Offensivakzente setzten.

Laut FIFA-Statistik gab es erst zum vierten Mal in der WM-Geschichte drei Ausschlüsse in einem Spiel. Die Premiere hatte es 1938 bei Brasilien - Tschechoslowakei (1:1) gegeben, wiederholt hatte sich das seltene Schauspiel bis Samstag nur 1954 bei Ungarn - Brasilien (4:2) sowie 1998 bei Südafrika - Dänemark (1:1).

Da seiner Squadra nach den Ausschlüssen von Daniele De Rossi (28./Rot) bzw. Pablo Mastroeni (45./Rot) und Eddie Pope (47./Gelb-Rot) das entscheidende Tor nicht mehr gelang, hielt sich bei Lippi trotz der Tabellenführung die Begeisterung in Grenzen. "Wir waren nicht brillant, haben unter unseren Möglichkeiten gespielt und waren nervös. Wir haben zu viele Fehler gemacht."

Schuld war nach Ansicht von Lippi vor allem das Auftaktmatch gegen Ghana (2:0): "Dieses Spiel hat uns unglaublich viel Energie geraubt. Ich hatte schon vor dem Match befürchtet, dass die Batterien noch nicht wieder voll sind." Unglücksrabe im Team der Italiener war neben De Rossi auch Eigentor-Fabrikant Christian Zaccardo. "Pech. Wir sind aber trotzdem noch Erster, das ist entscheidend. Gegen Tschechien will ich ins richtige Tor treffen", sagte der Palermo-Defensivmann.

Damit kommt es am Donnerstag in Gruppe E zum "Grande Finale", bei dem noch alle vier Teams ausscheiden bzw. aufsteigen können. Italien (4 Punkte) spielt in Hamburg gegen Tschechien (3), Ghana (3) trifft in Nürnberg auf die USA (1). Lippi weiß, dass es somit nur noch "Finalspiele" für sein Team gibt: "Jetzt beginnt die WM so richtig. Ab sofort heißt es in oder out. Vielleicht brauchen wir so etwas."

Obwohl die USA auf dem vierten und letzten Platz der Gruppe E liegen, durfte Coach Arena nach dem Schlusspfiff mächtig stolz auf seine Truppe sein. "Zwei Ausschlüsse innerhalb von nur fünf Minuten sind eine harte Sache. Die Reaktion meines Teams verdient Respekt. Viele Mannschaften hätten das als Ausrede für eine Niederlage benutzt", erklärte der Erfolgscoach, der mit den USA 2002 ins WM-Viertelfinale vorgedrungen war.

Und die Chance aufs Achtelfinale lebt nach diesem Kraftakt ebenfalls noch. Arena: "Unser Ziel war es, bis zum dritten Spiel eine Chance auf den Aufstieg zu haben, das ist uns gelungen. Jetzt wollen wir gegen Ghana gewinnen, vielleicht reichen ja im Endeffekt vier Punkte." (APA)

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