GÖD-Chef Neugebauer kritisiert Hundstorfer

21. Juni 2006, 11:27
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Christgewerkschafter will bis Ende Juni Klarheit über Finanzen und Neuordnung des ÖGB

Wien - Der Vorsitzende der Gewerkschaft Öffentlicher Dienst (GÖD), Fritz Neugebauer, hat Kritik an ÖGB-Chef Rudolf Hundstorfer geübt: "Bei allem Stress. Wenn ich was unterschreibe, muss ich wissen, was", sagte Neugebauer gegenüber dem "Kurier".

Hundstorfer hatte ÖGB-Präsident Fritz Verzetnitsch bei der entscheidenden Hauptversammlung von BAWAG und P.S.K. vertreten, bei der auch die Übernahme von rund 1,5 Milliarden Euro BAWAG-Schulden durch den ÖGB fixiert wurde. Hundstorfer betont, bei der Sitzung weder von den Schulden gewusst noch etwas unterschrieben zu haben.

Klein verteidigt

Neugebauers Fraktionskollegen aus den Reihen der Christgewerkschafter, Karl Klein, nahm der GÖD-Chef in Schutz. "Klein ist nicht der Täter, das waren andere." Der ÖGB-Vizepräsident hatte erklärt, dass das gesamte ÖGB-Präsidium schon im Herbst 2005 von der Übernahme der BAWAG-Schulden gewusst habe. Dies nahm er dann "als Irrtum seinerseits" zurück. Der Wiener ÖVP-Chef Johannes Hahn forderte Klein am Freitag dennoch zum Rücktritt auf. Andernfalls drohe dem FCG-Funktionär der Ausschluss aus der Partei.

Fachgewerkschaften

Neugebauer will laut "Kurier", dass bis Ende Juni sowohl die Finanzlage des ÖGB als auch dessen Neuordnung geklärt ist - "sonst geht das im Wahlkampf weiter". Der ÖGB müsse schlank werden und nur noch die Stimme in Sozial-, Budget- und Wirtschaftspolitik gegenüber der Regierung sein. Alles andere sollten die Einzelgewerkschaften selbst machen. "Die Fachgewerkschaften bekommen Teilrechtsfähigkeit. Das heißt, sie bilanzieren alle extra. Jeder legt offen, wie viel er hat. Dann wird ein - für alle geltender - Prozentsatz festgelegt, der dem Dachverband ÖGB gegeben wird. Für dessen erbrachte Leistungen", beschreibt Neugebauer seine Vorstellungen. "Zentralismus führt dazu, dass alles an einem Gremium vorbeigeschoben wird."

Über Ex-ÖGB-Chef Fritz Verzetnitsch sagte der Beamtengewerkschafter: "Dass einer mit Mitgliedsbeiträgen so umgeht, ist unfassbar." In der Gewerkschaft nehme Neugebauer teilweise Gleichgültigkeit wahr, so die Zeitung. "Wer jetzt noch sagt, das war ein Betriebsunfall, dem sage ich: 'Es regnet nicht beim Dach rein, das Dach ist eingebrochen'." (APA)

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