Pentagon-Bericht beschreibt Gefangenen-Misshandlungen

20. Juni 2006, 16:13
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Nackt mit Wasser übergossen und in Kälte verhört

Washington/Bagdad - Spezialeinheiten der US-Streitkräfte haben nach einem Bericht des US-Verteidigungsministeriums unzulässige Verhörmethoden bei irakischen Häftlingen angewandt. Wie die "New York Times" am Samstag unter Berufung auf eine am Vortag veröffentlichte Untersuchung schreibt, ereigneten sich die Vorfälle 2004 in einem Zeitraum von vier Monaten, lange nachdem solche Behandlungen untersagt worden waren.

Brigadegeneral Richard Formica schrieb in dem Dokument, die Spezialeinheiten hätten einigen Gefangenen nur Wasser und Brot gegeben, wenn diese nicht aussagebereit gewesen seien. So habe ein Gefangener 17 Tage lang nichts anderes erhalten. Andere seien sieben Tage lang in so kleinen Zellen eingesperrt gewesen, dass sie weder stehen noch liegen konnten. Laute Musik habe sie am Schlafen gehindert. Mehrere Häftlinge seien nackt mit Wasser übergossen und dann in Räumen mit Klimaanlagen oder in der Kälte verhört worden.

Trotz der Untersuchungsergebnisse sieht Formica keine Notwendigkeit zu Disziplinarmaßnahmen. Die Soldaten hätten falsch gehandelt, es liege aber kein absichtlicher Missbrauch vor. Verantwortlich seien unzulängliche Führung, nicht aber persönliche Fehler.

Der Irak hat unterdessen UNO-Generalsekretär Kofi Annan um politischen und finanziellen Beistand ersucht. Annan will ein internationales Programm für den Irak einleiten, wie aus einer UNO-Erklärung vom späten Freitag hervorgeht. Danach war Annan vom irakischen Ministerpräsidenten Nuri al-Maliki telefonisch um internationale Unterstützung gebeten worden. Auch Außenminister Hoshyar Zebari habe ihn bei einem Besuch in New York darauf angesprochen. Darüber hinaus hätten ihm Vertreter der US-Regierung den Wunsch von Präsident George W. Bush übermittelt, die Vereinten Nationen sollten die führende Rolle bei der Entwicklung dieses "internationalen Paktes für den Irak" übernehmen.

Die Serie von Bombenanschlägen im Irak ging auch am Samstag weiter. Mindestens 15 Menschen kamen dabei ums Leben. Es gab zahlreiche Verletzte und hohe Sachschäden. In der Stadt Al Mahmudiya (35 Kilometer südlich von Bagdad) sprengte sich ein Selbstmordattentäter mit seinem Auto in die Luft. Der Zwischenfall ereignete sich an einem Kontrollpunkt von Polizei und Armee am Eingang eines Marktplatzes. Im Zentrum der Hauptstadt Bagdad explodierte auf einem belebten Markt ein Sprengkörper. Bei einem ähnlichen Anschlag auf einem Marktplatz in Al Kadhemiya im Norden Bagdads wurden zwei Menschen getötet und 15 verletzt. Ziel eines anderen Bombenattentäters war ein Kontrollpunkt der Polizei im Bagdader Stadtteil Al Alweiya. Auch dabei soll es Tote und Verletzte gegeben haben, sagten Augenzeugen. (APA/dpa)

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