Künstliche Intelligenz feiert 50. Geburtstag

25. Juni 2006, 12:29
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Geschichte und Zukunftsperspektiven werden auf der 29. Tagung Künstliche Intelligenz diskutiert

Ganz im Zeichen der Künstlichen Intelligenz (KI) präsentiert sich derzeit Bremen: Während bis zum 20. Juni noch die internationale Fußballroboter-WM Robocup zu Gast ist, findet am Samstag parallel dazu die 29. Tagung Künstliche Intelligenz statt. Erklärter inhaltlicher Schwerpunkt der Veranstaltung stellt das 50-jährige Jubiläum des Forschungsgebiets dar, das mit einer ersten KI-Konferenz im Jahr 1956 am Dartmouth College in New Hampshire seinen akademischen Einstand feierte. Auf dem von der Universität Bremen organisierten Symposium soll nun unter Anwesenheit einiger Pioniere der ersten Stunde die Geschichte sowie Zukunft der Künstlichen Intelligenz reflektiert werden.

KI nicht leicht zu erkennen

"KI-Anwendungen sind in der Regel nicht immer leicht als solche zu erkennen. Wenn Künstliche Intelligenz schließlich funktioniert, dann wird es nicht mehr KI genannt sondern Informatik, weil wir es dann verstehen" weist Symposiumsteilnehmer Wilfried Brauer, Professor an der TU München und der Universität Bremen, auf ein Paradoxon rund um das Forschungsgebiet hin. Das Symposium spürt folglich dem Einsatz von KI in allen Lebensbereichen des Alltags nach, selbst wenn diese von den meisten Anwendern kaum als solche erkannt wird. Als Beispiele kennt die KI-Forschung alltägliche Geräte wie Kaffee- oder Waschmaschinen, Verkehrsleitsysteme oder aber die Windows-Benutzeroberfläche inklusive der Bedienung mit einer Computermaus.

Viele Lösungeskombinationen

Die Vorstellung über Künstliche Intelligenz habe sich zudem stark verändert, meinen die Symposiumsorganisatoren Christian Freksa und Kerstin Schill, beide Professoren an der Universität Bremen. So habe man KI ursprünglich stark mit rationalem, logikbasiertem Schlussfolgern verbunden. Als ein wichtiger Aspekt wurde dabei die Fähigkeit gesehen, möglichst viele Lösungskombinationen durchspielen zu können, um dann die beste Kombination auszuwählen. Die beiden Wissenschaftler weisen in diesem Zusammenhang auf den unvergessenen Sieg des maschinellen Schachcomputers "Deep Blue" im Jahre 1997 über den menschlichen Schachweltmeister Garri Kasparow hin.

Nur ein kleiner Teil

Diese Art von Kombinieren stelle allerdings nur einen kleinen Teil der menschlichen Intelligenz dar, zeigen sich die Forscher überzeugt. Denn Menschen würden auch Fähigkeiten besitzen, schnelle und gute Entscheidungen zu treffen, wenn mehrdeutige, unklare oder unvollständige Informationen vorliegen. Heute gehe es folglich weniger darum, künstliche Intelligenzen im Rechner zu erschaffen sondern mehr darum, dass KI-Systeme den Menschen mit anwendungsorientierten Dienstleistungen unterstützen können. Auch werde die Künstliche Intelligenz zukünftig in der Lage sein, Menschen Entscheidungshilfen bei existenziellen Problemen wie Klimawandel, Naturkatastrophen oder dem Hunger in der Welt zu bieten. "Die Künstliche Intelligenzforschung verändert das Denken über grundlegende Menschheitsfragen und verändert - vielleicht - auch den Menschen selbst", so die Symposiumsveranstalter.(pte)

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    Der Schachcomputer "Deep Blue" war im Jahre 1997 über den menschlichen Schachweltmeister Garri Kasparow siegreich.

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