Argentinischer Zauber-Unterricht

17. Juni 2006, 17:38
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Gauchos spielten Serbien-Montenegro schwindlig - Pekerman: "Fühlen, dass wir WM gewinnen können" - Serbiens Trainer geht

Gelsenkirchen - Was die argentinische Fußball-Nationalmannschaft am Freitag auf den Rasen des WM-Stadions Gelsenkirchen gezaubert hat, wird bei der Endrunde in Deutschland schwer zu toppen sein. Juan Riquelme, Javier Saviola, Maxi Rodriguez, Lionel Messi, Carlos Tevez und Co. schossen die angesichts der Klasse des Gegners wie biedere Handwerker wirkenden Kicker von Serbien-Montenegro mit 6:0 aus der Arena und sich selbst in die Rolle des derzeitigen WM-Topfavoriten.

Pekerman hat ein Gefühl

"Ich hoffe, dass das noch nicht unsere beste Leistung war. Unser Ziel ist es, noch stärker zu spielen", ließ Spielmacher Riquelme nach Schlusspfiff aufhorchen. Teamchef Jose Pekerman, der vor der WM noch gescholten worden war und mittlerweile wieder ein Volksheld ist, meinte nach der weltmeisterlichen Leistung: "Wir haben ein großartiges Team und wir haben großartige Einzelspieler. Wir fühlen, dass wir die WM gewinnen können."

Vor den Augen von Diego Maradona, der völlig aus dem Häuschen war und die letzten zehn Minuten der Partie auf seinem Sitz stehend verbrachte, präsentierten sich die "Gauchos" als mögliche und würdige Nachfolger des argentinischen Weltmeister-Teams von 1986. Für den beim 1:0 gegen Kroatien eher enttäuschenden Titelverteidiger Brasilien war die Partie so etwas wie Zauber-Unterricht vom Erzrivalen.

Ein Tor zum Zunge schnalzen

Beim munteren Einmal-Berühren-Spiel gespickt mit etlichen "Ferslern" und Traumkombinationen war das 2:0 das absolute Sahnehäubchen des bisherigen Turniers. Nach 25 argentinischen Ballberührungen am Stück vollendete Esteban Cambiasso. "Für die Schönheit des 2:0 gibt es keine Worte", schwärmte Stürmerstar Hernan Crespo, der das 4:0 beisteuerte und hinzufügte: "Bei einer WM auf so einem Level zu spielen und so hoch zu gewinnen, ist nicht einfach." Crespo ist einer von nur vier Spielern, die auch bei der völlig missratenen WM 2002 (Out in der Vorrunde) im Kader gestanden waren.

Beängstigend für die Konkurrenz ist auch die Tatsache, dass Pekerman über eine Ersatzbank der Superlative verfügt. Cambiasso kam nach 17 Minuten für den verletzten Luis Gonzalez - er soll laut Pekerman bis zum Niederlande-Match wieder fit sein - ins Spiel und traf in der 31. Minute. Und auch die zwei weiteren Joker Carlos Tevez (ab der 59. Minute) und Lionel Messi (75.) beeindruckten nicht nur durch ihre Tore zum 5:0 und 6:0. "Ich kann Argentinien nur gratulieren", stellte sich der gegnerische Teamchef Ilija Petkovic in die Reihe der Gratulanten.

Am Mittwoch geht es in Frankfurt im Schlager zwischen Argentinien und den Niederlanden um den Sieg in Gruppe C. Pekerman: "Das wird ein großes Match."

Petkovic: "Nehme alles auf meine Kappe"

Die Stimmung im Lager der Serben stellte sich naturgemäß anders dar. Teamchef Ilija Petkovic: "Ich werde zurücktreten, wenn wir zu Hause sind."

Für das vorzeitige Ausscheiden der mit großen Ambitionen ins Turnier gestarteten "Blauen" übernahm er die volle Verantwortung: "Ich gebe niemandem die Schuld, nur mir alleine, weil ich dem Druck der Medien und der Nation nachgegeben und meine Defensiv-Taktik verlassen habe." Der 60-Jährige nahm seine Profis trotz ihrer indiskutablen Vorstellung in Schutz. "Ich nehme alles auf meine Kappe", meinte der sichtlich bewegte Petkovic, der von einem "der schlimmsten Ergebnisse in unserer Fußball-Geschichte" sprach: "Davon werden noch Generationen reden." (APA)

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    Cambiasso war von seinem Tor auch sehr begeistert.

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