Rebellenchef Saidullajew getötet

18. Juni 2006, 20:19
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In Feuergefecht bei einem Sondereinsatz des russischen Geheimdienstes - Doku Umarow neuer "Präsident der tschetschenischen Republik"

Moskau/Grosny - Gut ein Jahr nach seiner Ernennung ist der tschetschenische Rebellenführer Abdulchamid Saidullajew (Sadulajew) bei einem Sondereinsatz des russischen Geheimdienstes getötet worden. Er sei im Ort Argun rund 30 Kilometer östlich von Grosny aufgespürt worden, nachdem einer seiner Mitarbeiter den Aufenthaltsort verraten habe, sagte der tschetschenische Ministerpräsident Ramsan Kadyrow am Samstag. Der russische Geheimdienst FSB bestätigte Agenturen zufolge die Tötung Saidullajews, eine unabhängige Bestätigung lag zunächst nicht vor.

Kadyrow sprach von einem "entscheidenden Schlag" gegen die Rebellen, "von dem sie sich niemals erholen werden". Nachfolger wurde nach Angaben des "Außenministers" der von Moskau nicht anerkannten Rebellenregierung, Achmed Sakajew, Saidullajews bisherige Stellvertreter Doku Umarow. Er soll dem radikalen Milizenchef Schamil Bassajew nahestehen.

Sondereinsatz

Saidullajew hatte im März 2005 die Nachfolge des ebenfalls vom russischen Geheimdienst getöteten Rebellenchefs Aslan Maschadow angetreten, als dessen enger Vertrauter er galt. Der russische Nachrichtensender NTW berichtete, ein Einsatzkommando des russischen Geheimdienstes FSB habe Saidullajew bei einer Razzia in Argun aufgespürt. Mehrere Rebellen hätten das Feuer auf die Gruppe eröffnet, darunter sei auch eine Frau gewesen.

In dem Schusswechsel seien Saidullajew und ein weiterer Kämpfer sowie ein Geheimdienstler und ein Polizist getötet worden. Zwei Rebellen seien vermutlich entkommen. Der Verwaltungschef der Stadt, Ibragim Temirbajew, sagte, der Leichnam des Rebellenchefs sei identifiziert und anschließend nach Zentoroi gebracht worden, Kadyrows Hochburg.

"Ohne Koopf"

Kadyrow sagte der Nachrichtenagentur Interfax, mit Saidullajews Tod seien die tschetschenischen Rebellen nun "praktisch ohne Kopf". Seine Gruppe habe in Argun einen "großen Terroranschlag" geplant, der zeitgleich mit dem G8-Gipfeltreffen im Juli habe stattfinden sollen.

Der vom Kreml unterstützte tschetschenische Präsident Alu Alchanow sagte, Saidullajew sei kein Präsident, sondern der "Chef einer Banditengruppe" gewesen. Er und seine Komplizen seien für den Tod zahlreicher Zivilisten verantwortlich gewesen. Sein Tod kündige das Ende der Terroristen in Tschetschenien an. In tschetschenischen Kreisen galt Saidullajew allerdings als gemäßigt.

Doku Umarow tritt Nachfolge an

Sakajew sagte dem Moskauer Rundfunksender Echo aus seinem Londoner Exil, "ab heute ist Doku Umarow der Präsident der tschetschenischen Republik". Er bestätigte damit indirekt Saidullajews Tod. Der 1964 im Westen Tschetscheniens geborene Umarow gilt als Gegner von Verhandlungen mit Moskau. Er soll an mehreren Anschlägen im Kaukasus beteiligt gewesen sein. Der getötete Rebellenführer hatte Umarow in einem am Donnerstag veröffentlichten Interview mit der bulgarischen Zeitschrift "Politika" selbst als seinen möglichen Nachfolger ins Spiel gebracht.

In Tschetschenien, wo die russische Armee erstmals 1994 einmarschiert war, kämpfen Rebellen bis heute für die Unabhängigkeit von Moskau. In dem Konflikt starben schätzungsweise 100.000 Zivilisten. Menschenrechtsorganisationen prangern immer wieder das Klima der Rechtlosigkeit in dem Land an: Nach Schätzungen von Human Rights Watch verschwanden seit Herbst 1999 bis zu 5000 Menschen. In den meisten Fällen seien russische Soldaten oder pro-russische, tschetschenische Milizen die Täter gewesen. (APA/AFP/Reuters)

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