Kinder rufen: "Mehr, mehr, mehr!"

8. August 2006, 15:01
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Wenn die Schule zu hat: Kinder am Fenstertag an den eigenen Arbeitsplatz mitnehmen

Wien - "Mehr, mehr, mehr!", rufen die Kinder und meinen das Schütteln eines Wasserglases - auf dass zur Freude aller das Wasser herumspritzt. Ungefähr zehn von ihnen haben sich um den jungen Chemiker versammelt, der ihnen Experimente zum Nachmachen zeigt und den Fenstertag nach Fronleichnam zum Wissenschaftstag im Firmengebäude der Mobilkom macht.

Die Firma hat den dritten Fenstertag im Mai und Juni unter das Motto "Wissenschaft"gestellt und ihre Pforten für die Kinder von Mitarbeitern geöffnet. Ungefähr 35 sind es insgesamt, deren Schule oder Kindergarten geschlossen haben und die die Seminarräume und einen Teil des Gartens besetzt haben.

Hier wurden "Räume für Kinder adaptiert, die sonst nicht von Kindern genützt werden", sagt Karoline Iber vom Kinderbüro, das auch die Wiener Kinder-Uni organisiert. Noch ist das Fenstertag-Projekt in der Pilotphase, sagt Konzernsprecherin Michaela Egger. Und es komme sehr gut an, ergänzt sie. Von sieben bis 17 Uhr werden die Kinder verschiedensten Alters meist von Pädagogikstudentinnen betreut.

Kinder verändern "Atmosphäre" im Unternehmen

Die Burschen jagen dem Fußball hinterher, zwei Mädchen lesen sich gegenseitig vor. Emily, 9, findet bei den zwei Besuchen in der Firma, in der ihr Papa arbeitet, das Stelzengehen und das Fußballspielen am besten. Kerstin, 9, die sich mit ihr angefreundet hat findet, dass "die WM das langweiligste Ereignis überhaupt ist", und bevorzugt lieber die Stelzen. Und das Gesicht hat sie sich auch fantasievoll schminken lassen. Was Michaela Egger immer wieder betont, ist, dass die Kinder "die Atmosphäre" im Unternehmen verändern.

Es beginnt bei dem Lärm, den Kinder beim Spielen machen, dem Speiseplan, der in der Kantine den Kinderwünschen angepasst wird, und endet schließlich bei den Eltern, die sich ab und zu vom Arbeitsplatz stehlen, um ihre Kinder zu ermahnen, den vermeintlichen Uncoolness-Faktor Brille aufzusetzen oder einen Kurzbericht zu bekommen. Fotos vom ersten Fenstertag waren, auf einer Wäscheleine aufgehängt, auch sofort heruntergezupft. Eigentlich hätten sie zwei Wochen hängen sollen, sagt Egger.

Der Betriebsarzt, der am ersten Fenstertag das Motto "Fitness"ausrief, vermisst die Kinder. "Er hat sich schon scherzhaft beschwert, dass er nicht besucht wurde", grinst Egger. Ein Tänzer begeisterte mit Choreografien beim zweiten Mal. Diesmal machte der Chemiker Programm.

Im EU-25-Vergleich der gesetzlichen Feiertage sind Österreich und Spanien mit 13 beziehungsweise 14 Feiertagen 2006 die Spitzenreiter. Großbritannien hat heuer mit acht am wenigsten und Schweden liegt mit elf Feiertagen im Mittelfeld. Je nach Region und Konfession sind einige Tage mehr dazuzurechnen. Andere, gesetzliche, wie Mariä Empfängnis, werden (vom Handel) auch ignoriert. Christi Himmelfahrt und Fronleichnam sind immer an einem Donnerstag und machen den Freitag zu einem Fenstertag. (Marijana Miljkovic, DER STANDARD - Printausgabe, 17./18. Juni 2006)

  • Wenn Schule und Kindergarten an Fenstertagen zu haben, spielt es sich am besten in der Firma der Eltern.
    foto: mobilkom

    Wenn Schule und Kindergarten an Fenstertagen zu haben, spielt es sich am besten in der Firma der Eltern.

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