Prinz Vittorio Emanuele im Gefängnis vernommen

20. Juli 2006, 17:07
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Orden zur Bereicherung des Königshauses - Auch Ex-Außenminister Fini unter Druck

Der 1434 vom Savoyer Amedeo VIII. gegründete Orden von San Maurizio verfolgt hehre Ziele. Die „gemeinnützige Vereinigung im Dienste der Armen und Kranken“ verpflichtet ihre Mitglieder zu Ehrlichkeit, Treue und Großzügigkeit. Der Sitz des Ordens in Chemin du Vieux Vèsenaz ist derzeit verwaist. Sein Großmeister Vittorio Emanuele musste die Plüschsofas der Residenz am Genfer See gegen ein Stockbett im Gefängnis der süditalienischen Stadt Potenza tauschen. Dort wurde der Sohn des letzten italienischen Königs am Dienstag verhört – als Hauptangeklagter in einer „Sex-and-Crime-Affäre“, die in Italien seit Tagen für Schlagzeilen sorgt.

Orden zur Bereicherung des Königshauses

Der Mitangeklagte Rocco Migliardi hat bereits am Montag gestanden, 60.000 Euro Schmiergeld an den Thronfolger bezahlt zu haben, der als Gegenleistung im zuständigen Ministerium Lizenzen für Spielautomaten erwirkte. Der sizilianische Geschäftsmann stellte sich als Opfer des Prinzen dar. "Seine Gier nach Geld" kannte keine Grenzen. Er war unersättlich und stellte ununterbrochen neue Forderungen." Vittorio Emanuele sei ständig auf der Suche nach neuen Mitgliedern gewesen. Für den roten Umhang und die entsprechende Urkunde seien 5000 Euro zu entrichten gewesen. Untersuchungsrichter Alberto Jannuzzi ist davon überzeugt, dass der Orden, der 4000 Mitglieder in 40 Ländern hat, weniger der Unterstützung von Armen und Kranken diente, als vielmehr der Bereicherung des Königshauses.

Vittorio Emanuele soll an undurchsichtigen Immobiliengeschäften ebenso beteiligt gewesen sein wie an der Lieferung wertloser Medikamente an Länder der Dritten Welt und an der Vermittlung junger Prostituierter aus Osteuropa. „Ich bin ein einflussreicher Mann mit besten Beziehungen zu Regierungen, Königshäusern und Militärs“, schwärmte der Thronfolger in einem abgehörten Anruf über sich selbst. Geld gab der Prinz allerdings nur ungern aus. Einen Freund, der ihm die Adresse einer Frau mitteile, rügte er wegen des hohen Preises: „200 Euro für eine Nacht sind ein zu hoher Preis.“ (DER STANDARD Printausgabe, 21.06.2006)

Gerhard Mumelter aus Rom
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    Prinz Vittorio Emmanuele von Savoyen: wegen Zuhälterei und Glücksspielbetrugs festgenommen.

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