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16. Juni 2006, 19:55
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High-Tech-Ikone und Mega-Philanthrop - Gates zieht sich zurück 50-Jähriger will sich noch stärker als Wohltäter engagieren (Von Daniel Jahn/AFP)

Washington (AFP) - Noch kann sich kaum jemand vorstellen, dass Bill Gates künftig bei Microsoft weniger präsent sein wird. Aber der 50-Jährige meint es wohl ernst: Bis 2008 werde er sich schrittweise aus dem Tagesgeschäft zurückziehen, ließ der Multimilliardär am Donnerstag mitteilen. Zwar werde er dem von ihm gegründeten Software-Konzern als Chef des Verwaltungsrats sowie Berater erhalten bleiben. Vor allem aber wolle er sich seiner Stiftung widmen, die mit Milliardensummen Projekte für Bildung und Gesundheit rund um den Globus betreibt. "Die Veränderung ist kein Rückzug in den Ruhestand, sondern eine Neuordnung meiner Prioritäten", gab der reichste Mann der Welt bekannt.

Der Ruhestand würde in der Tat kaum zu dem rastlosen Gates passen, der mit seinem jungenhaften Grinsen, seiner runden Brille und oft legeren Kleidung immer noch ein wenig aussieht wie der Student, als der er vor drei Jahrzehnten seine beispiellose Karriere begann. Mit einem Vermögen von 50 Mrd. Dollar führt er in diesem Jahr bereits zum zwölften Mal in Folge die Forbes-Liste der Reichsten der Welt an. Das von ihm entwickelte Betriebssystem Windows dominiert trotz erstarkter Konkurrenz weiterhin die Computerwelt.

Junge Computerfreaks rund um die Welt fühlen sich von dieser Erfolgsstory inspiriert. Schon früh entdeckte Gates seine Passion fürs Programmieren - an einer Privatschule im US-Westküstenstaat Washington erlernte der ebenso hochbegabte wie eigenwillige Sohn eines Anwalts und einer Lehrerin die Computersprache BASIC, die er rasch meisterhaft beherrschte.

Während des Studiums an der Eliteunversität Harvard entwickelte Gates dann mit seinem Schulfreund Paul Allen eine Software für den Heimcomputer Altair 8800 - das war der Durchbruch. Gates schmiss das Studium hin und widmete sich ganz seiner frisch gegründeten Firma Microsoft. Schon wenige Jahre danach gelang ihm der große Coup, als er IBM das Betriebssystem MS-DOS lieferte. Mit 31 Jahren wurde Gates so zum reichsten Mann der USA. In den Folgejahren entwickelte Microsoft dann für das rasch expandierende PC-Business immer nutzerfreundlichere Betriebssysteme.

Die Legende zeigte allerdings auch Schwächen. So verpennte Gates den Internetboom - weshalb die kleine Firma Netscape mit ihrem Browser vorpreschen konnte. Gates konterte, indem er den eigenen Browser kostenlos anbot und zudem in Windows 95 integrieren ließ. So begann der "Browser-Krieg", in dem Microsoft vorgeworfen wurde, seine Monopolstellung zu missbrauchen. Der Rechtsstreit mit den US-Behörden endete zwar, ohne dass der Konzern seinen Browser von Windows entkoppeln musste. Doch steht Microsoft seither unter verschärfter Beobachtung der Behörden und Gerichte: So wurde die Firma in der EU dazu verpflichtet, Windows XP in einer abgespeckten Version ohne Media Player anzubieten.

Microsoft ist zudem gleich an mehreren Fronten einer erstarkten Konkurrenz ausgesetzt. Die derzeitigen Superstars der Branche sind Google, das weit über den Markt der Suchmaschinen hinaus expandieren will, und Apple, das mit seinem Kultprodukt iPod und iTunes-Laden den Markt der digitalen Musik beherrscht. Und zugleich wird das Linux-Betriebssystem, das in der offenen Zusammenarbeit von Software-Experten rund um den Globus fortentwickelt und kostenlos angeboten wird, von immer mehr Firmen und Behörden als Alternative zu Windows entdeckt.

Gates hatte in diesem zunehmend schwierigeren Umfeld schon in den vergangenen Jahren die Verantwortlichkeiten bei Microsoft breiter verteilt. Den Posten des Top-Managers gab er vor sechs Jahren an Steve Ballmer ab. Als Chef des Verwaltungsrats und zudem oberster Software-Entwickler besetzte er aber weiter Schlüsselposten. Das soll sich nun ändern. Denn Gates will mehr Zeit gewinnen, um sich seiner neben den Computern zweiten großen Leidenschaft zu widmen: Über die mit seiner Frau Melinda gegründete Stiftung, die über knapp 30 Mrd. Dollar verfügt, führt die High-Tech-Ikone bereits seit Jahren einen weltweiten Kampf für bessere Ausbildungschancen und gegen Krankheiten wie Aids, Malaria und Tuberkulose. "Ich glaube, dass mit dem Geschenk des großen Wohlstands eine große Verantwortung kommt", erklärte der Philanthrop am Donnerstag. (Schluss) vv/ul

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