Sperrzonen in Wien

22. Juni 2006, 15:57
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Auch Stephansplatz wird zur No-Go-Area - Autos werden ab Dienstag- morgen abgeschleppt

Wien - Wer am Mittwoch nicht unbedingt nach Wien muss, sollte draußen bleiben. Denn wo ein US-Präsident weilt, ist dank Sicherheitsmaßnahmen, Sightseeingprogrammen und Demonstrationen wenig Platz für Normalsterbliche. Mit Hofburg, Stephansplatz und Mariahilfer Straße sind drei der bekanntesten Flächen der Bundeshauptstadt zumindest zeitweise unbenutzbar (siehe Grafiken). Die Gegner von George W. Bush bereiten sich ebenso wie die Exekutive gewissenhaft vor.

Böse Überraschung

Eine böse Überraschung gab es Freitags für die Geschäftsleute und Anrainer im Herzen der Wiener Innenstadt: Freundliche Polizisten erschienen und erklärten ihnen, dass das Gebiet rund um den Stephansdom am 21. Juni von 9.00 bis 14.00 Uhr Sperrzone ist. Der Grund: Präsidentengattin Laura Bush besucht die Kirche und wird anschließend auch das Mittagessen in einem nahen Restaurant einnehmen. Eine frühere Information sei nicht möglich gewesen, da das Damenprogramm erst sehr spät entschieden worden sei, bedauert man im Innenministerium.

Rund um das Hotel Intercontinental und die Hofburg, wo die meisten Termine absolviert werde, hatten die Bewohner mehr Zeit. Seit zwei Wochen werden sie aufgeklärt, für die Sperrzone rund um die frühere Kaiserresidenz haben sich schon rund 1800 Menschen grüne "Badges"besorgt, mit denen sie in ihre Wohnungen und an ihre Arbeitsplätze dürfen. Die kleinen Plastikkarten werden entweder von Polizisten geliefert oder können bis Montag im Büro am Josefsplatz abgeholt werden.

Abgeholt werden auch die Automobile, die entlang der Route vom Flughafen zum Nächtigungsort des Präsidenten stehen. Und zwar möglicherweise schon ab Dienstagmorgen, also einen halben Tag bevor Bush landet. Zwar sollen gut tausend Parkverbotsschilder die Abschleppzone kennzeichnen, wenn diese aber von vielen Autofahrern ignoriert werden, wird ab sechs Uhr mit dem Abtransport begonnen. Kleines Problem dabei: Die exakten Routen sind den Behörden offiziell noch immer nicht bekannt.

Tausende Teilnehmer

Eine Schwierigkeit, mit der auch die Organisatoren von Demonstrationen gegen den US-Präsidenten zu kämpfen haben. Fix ist, dass am Mittwoch zweimal vom Westbahnhof zum Sigmund-Freud-Park bei der Votivkirche marschiert wird. Am Vormittag wird zu einem "Schulstreik"aufgerufen, ab 17.00 Uhr ist dann die eigentliche Demonstration unterwegs. Bis zu 10.000 Menschen könnten teilnehmen, schätzt Werner Autericky, Einsatzleiter beim Wiener Landesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung. Zum Vergleich: Beim Lateinamerikagipfel waren es 2000 Demonstranten.

Gegen die Amerikaner geht es bei den Protesten übrigens nicht, stellten die Organisatoren von der "Friedensplattform Stop Bush"am Freitag bei einer Pressekonferenz klar. Sehr wohl aber gegen Kriegs- und Aufrüstungspolitik. (Michael Möseneder, DER STANDARD - Printausgabe, 17./18. Juni 2006)

  • Achtung: Das Filmmuseum ist - anders als in der Grafik angegeben - von den Sperren nicht betroffen!
    grafik: standard

    Achtung: Das Filmmuseum ist - anders als in der Grafik angegeben - von den Sperren nicht betroffen!

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