Asylwerber-Familie sitzt auf der Straße

19. Juni 2006, 21:13
89 Postings

Nach 8 Jahren in Österreich alles verloren - Eltern und zwei Kinder irren seit fast 17 Jahren durch Europa

Wien - "Sehr geehrter Herr Bundespräsident!" So beginnen viele Briefe von Menschen, die in ihrer Verzweiflung nicht mehr weiterwissen. So auch das Schreiben von Familie G., die seit mittlerweile fast 17 Jahren auf der Suche nach Asyl durch Europa irrt. Derzeit sitzen Vater Goran, Mutter Ursula und die beiden Kinder Karolina (16) und Vladimir (21) auf der Straße. Alles, was sie haben, befindet sich in zwei Koffern.

Ein Teil der STANDARD-Leserschaft wird sich an den ersten Bericht über die Familie im vergangenen September erinnern. Kurz noch einmal die Fakten: Die Familie verließ 1989 das damals noch existierende Jugoslawien. Die nationalistische Brandrede von Slobodan Miloaeviæ auf dem Amselfeld und andere Vorzeichen des Bürgerkrieges trieb sie nach Deutschland, wo man sich aufgrund der deutschen Vorfahren von Frau G. Hoffnung auf die Staatsbürgerschaft machte. Doch daraus wurde nichts. Danach versuchte die Familie ihr Glück mit Asylanträgen in den Niederlanden, in Belgien und 1998 in Österreich.

Nach sieben Jahren wurden hier die Asylansuchen wegen "Unzuständigkeit" abgelehnt. Vor einigen Wochen flog die Familie aus der Bundesbetreuung, einer Abschiebung wurde aufschiebende Wirkung zuerkannt. Nun musste das Quartett auch noch sein Notquartier in einem niederösterreichischen Pfarrsaal räumen. Vater Goran kann nicht glauben, dass die Familie acht Jahre in Österreich einfach so wegwerfen soll. Noch dazu stehen beide Kinder in ärztlicher Behandlung. (Michael Simoner, DER STANDARD - Printausgabe, 17./18. Juni 2006)

Share if you care.