Nachlese: Für die Roma zählen die Vorzugsstimmen

3. Juli 2006, 14:51
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Trotz hinterer Plätze auf den Parteilisten hoffen Roma-Vertreter auf Mandatsgewinne

Bratislava - Eduard Danís will die magische Grenze von 3000 Stimmen überwinden. In den vergangenen Wochen hat er dafür hart gekämpft, sagt er. Vor allem in der Hauptstadt Bratislava, aber auch in der Umgebung, etwa in den Roma-Siedlungen der Region Plavecky Stvrtok.

Überspringt Danís bei den slowakischen Parlamentswahlen am Samstag, tatsächlich die 3000er-Marke, wäre das nicht nur ein persönlicher Triumph, der Roma-Politiker und hauptberufliche Feuerwehrmann hätte auch Chancen, ein Abgeordnetenmandat zu ergattern. Damit könnte im slowakischen Parlament erstmals seit vier Jahren wieder ein Rom Platz nehmen: Denn obwohl rund 400.000 Roma in der Slowakei leben, hat es in der vergangenen Legislaturperiode kein einziger von ihnen bis ins Parlament des rund 5,4 Millionen Einwohner zählenden Landes geschafft. Diesmal gehören sieben Kanidaten der Volksgruppe der Roma an, heißt es aus dem Büro der slowakischen Regierungsbeauftragten für Roma, Klára Orgovánová.

Hochrechnungen

Auch wenn sie meist nur auf den hinteren Listenplätzen der Parteien aufscheinen, stehen ihre Chancen auf ein Mandat besser als beim letzten Wahlgang. Aufgrund einer Wahlrechtsreform werden Vorzugsstimmen diesmal nämlich weit stärker gewichtet als bisher. Kandidaten rücken demnach automatischnach vorne, wenn sie drei Prozent der auf die Partei abgegebenen Stimmen als Vorzugsvotum erhalten. Laut Hochrechnungen wird die Kommunistische Partei (KSS), für die der Rom Danís antritt, knapp über fünf Prozent der Stimmen erhalten. Er bräuchte also nicht viel mehr als dreitausend Vorzugsstimmen.

Schafft Danís tatsächlich den Einzug, will er dafür kämpfen, dass die Investoren auch in die Ostslowakei kommen, wo es die meisten Elendssiedlungen der Roma gibt. "Das Geld der Regierung muss für Arbeit und Bildung eingesetzt werden und nicht für Kultur", fordert er. Als Abgeordneter möchte Danís freilich für alle Slowaken, also auch für die "Gadje", da sein.

Stimmzettel

"Wenn ich im Parlament sitzte, werde ich mich nur um die Anliegen der Roma kümmern. Ihre Probleme sind so gewaltig, da interessieren mich andere Dinge, wie etwa Atomenergie, einfach nicht", sagt dagegen Alexander Patkoló. Patkoló kanidiert auf der Liste der Bewegung für Demokratie (HZD) von Präsident Ivan Gaaparoviè. Am Wahlzettel steht sein Name - auf eigenen Wunsch wie er sagt - auf dem letzten Platz. Dann könne man ihn leichter am Stimmzettel finden, sagt er. Auch Patkoló hofft auf Vorzugstimmen.

Um die Roma aus der Armutsfalle zu hieven, setzt er vor allem auf Bildung. Er möchte sich für den Aufbau von Internaten für die Roma-Kinder einsetzten. Unter der Woche könnten die Kinder dann in Ruhe lernen und wären weniger mit der Armut in den Familien konfrontiert. Genug Geld für seine Pläne gebe es, vor allem seit dem EU-Beitritt der Slowakei, sagt Patkoló. "Die Frage ist nur, wofür es ausgegeben wird." (András Szigetvari/DER STANDARD, Printausgabe, 17./18. 6.2006)

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