Abschlussrunde zu umkämpften Nebenbahnen

11. Juli 2006, 14:39
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Knapp ein Drittel des Netzes vor Stilllegung - Endgültige Festlegung in Gesprächen mit Ländern Ende Juni

Wien – Die ÖBB sehen nun die Zeit reif, einen Schlussstrich zu setzen unter die seit Jahren laufende Debatte über die Fortführung oder Einstellung von Nebenbahnen. "Wir haben eine Unterteilung der Strecken in vier Kategorien vorgenommen, von W wie Weiterentwickeln bis Z wie Zusperren", sagte ÖBB-Chef Martin Huber.

Ende Juni soll in Gesprächen mit den Ländern definitiv festgelegt werden, wo wann was passieren soll. Insgesamt stehen etwa zwei Dutzend Strecken im Fokus, die Mehrzahl davon in Niederösterreich.

Tote Geleise

Geht es nach den Plänen der ÖBB-Führung, haben gut 600 km Schienenwege ein für allemal ausgedient. Das wäre knapp ein Drittel des insgesamt 2200 km umfassenden Nebenbahnnetzes in Österreich. "Dort wird zum Teil jetzt schon nicht mehr gefahren, es gibt aber noch immer Bahnübergänge mit 30er-Beschränkung, das macht doch keinen Sinn", sagte Huber.

Andererseits handle es sich um Strecken, die in Zukunft besser vom Postbus bedient werden könnten, "weil der in die Ortschaften hineinfährt und nicht wie der Zug beim Bahnhof zwei Kilometer außerhalb des Ortskerns stehen bleibt". Das wäre auch für die Kunden eine qualitative Verbesserung.

Entwicklungsfähig

Als eindeutig ausbau- und entwicklungsfähig habe man etwa 1350 km an Schienenwegen identifiziert, das sind etwa 60 Prozent des gesamten Regionalbahnnetzes. In einer vierten Kategorie haben die ÖBB alle von ihr betriebenen Schmalspurbahnen zusammengefasst. Diese hätten nur mehr eine rein touristische Funktion. Dabei gehe es um eine Streckenlänge von insgesamt 385 km. "Die wollen wir abgeben an Länder oder private Betreiber", sagte Huber.

Das gesamte Schienennetz der ÖBB ist 5600 km lang. Mit dem Nebenbahnkonzept möchte ÖBB-Chef Huber rund 25 Mio. Euro pro Jahr einsparen. (stro, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 17./18.6.2006)

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