Fischausbeute im Mittelmeer: Immer weniger, immer kleiner

19. Juni 2006, 10:00
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Greenpeace legt "Mittelmeer-Bericht" vor: Fischbestände brechen verstärkt ein - Meeresschutzgebiete gefordert

Wien - Ein Meer - bald ohne Fische? In den Jahren 1982 bis 1988 wurden an den Anrainerstaaten des Mittelmeeres noch jährlich mehr als zwei Millionen Tonnen Fische an Land gebracht. In den vergangenen Jahren waren es nur noch jeweils rund 1,5 Millionen Tonnen. Durch einen Mix aus Überfischung und Umwelteinflüssen brechen die Fisch-Populationen zunehmend ein. Nur großräumige Schutzzonen könnten eine Erholung bewirken, heißt es in einem nun publizierten "Mittelmeer-Bericht" der Umweltschutzorganisation Greenpeace.

Ein Problem sind schon die Daten. "Laut der Europäischen Umweltagentur (EEA) gibt es für 80 Prozent der Mittelmeerfischbestände keine zuverlässigen Bestandszahlen. Mehr als die Hälfte der verbleibenden Fischbestände finden sich außerhalb sicherer biologischer Grenzen und gelten als überfischt", schreiben die Autoren.

Anzeichen für Überfischung

Doch im Mittelmeer wird zunehmend eine bedenkliche Entwicklung registriert. "Ein sichereres Zeichen für die Überfischung ist die zunehmende Anlandung immer kleinerer Fische und dies, obwohl für viele Arten Mindestanlandelängen existieren. Beifänge stellen ein weiteres Problem dar, da in manchen Fischereien bis zu 70 Prozent der gefangenen Fische aussortiert werden und tot oder schwer verletzt über Bord gehen", wird kritisiert.

Wer je - beispielsweise in Kroatien - gesehen hat, was da alles über Bord fliegt und wie wenige Fische eines Fanges wirklich genutzt werden, zweifelt an der Fischereiwirtschaft insgesamt. Ein Beispiel dafür, laut den Umweltschützern: "Die Anzahl erwachsener Tunfische ist in den letzten 20 Jahren um 80 Prozent geschrumpft."

Illegaler Fang kommt erschwerend hinzu

Hinzu kommen illegale, unregulierte und auch undokumentierte "Piratenfischerei", Treibnetze mit Längen von bis zu zwölf Kilometern und das Absuchen des Mittelmeeres nach Tunfischen sogar schon per Flugzeug. Die Folge: Die letzte noch gesunde Population des Gemeinen Delfins ist genau so gefährdet wie auch alle im Mittelmeer heimischen Walarten.

Die wichtigste Gegenmaßnahme - so "Greenpeace" - wäre: "Großflächige Meeresschutzgebiete von 40 Prozent der Meeresoberfläche können nur dann einen positiven Effekt erzielen, wenn auch die etwa 60 Prozent außerhalb der Schutzgebiete umweltverträglich genutzt oder bewirtschaftet werden." Ganz klar: Die Anrainerstaaten dürfen das Mittelmeer auch nicht mehr als Auffangbecken für die ungeklärten Abwässer ganzer Regionen nutzen. Aber nach wie vor fließen auch aus hoch entwickelten Staaten wie Italien mit den Flüssen Giftbrühen ins Meer. (APA)

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