Von fünf auf 120 Millionen und zurück

26. Juni 2006, 11:06
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Bawag wertete Casino Jericho-Beteiligung um 2300 Prozent auf und schichtete "Gewinn" zu Karibik-Verlusten um

Wien - Die BAWAG P.S.K. hat in ihrer Bilanz 2005 auch einen Betrag von 120 Mio. Euro wertberichtigt, der als Beteiligung für das Casino Jericho in den Büchern ausgewiesen war. Die ursprüngliche Bewertung der 10-Prozent-Beteiligung der BAWAG über fünf Millionen Euro am Casino Jericho wurde im Jahr 2001 auf 120 Millionen Euro aufgewertet, bestätigte die BAWAG heute, Freitag, erstmals.

Der Aufwertungserlös von 115 Millionen Euro - das entspricht dem Dreiundzwanzigfachen des tatsächlichen Wertes oder einer Aufwertung um 2.300 Prozent - habe der teilweisen Abdeckung der Verluste aus den so genannten Karibikgeschäften gedient, so die BAWAG.

Von ÖGB-Haftung erfasst

"Wie interne Untersuchungen ergeben haben, wurde der Aufwertungserlös ausschließlich dazu verwendet, um Verluste aus den so genannten Karibikgeschäften der BAWAG bilanziell teilweise zu kompensieren. Daher war dieses Engagement auch von einer Haftung des ÖGB erfasst", heißt es in einer Erklärung der BAWAG P.S.K. zum Engagement CAP Holding/Casino Jericho vom Freitag.

Diese 120 Mio. Euro wurden "im Zuge der Gesamtbereinigung der Karibikgeschäfte" in der Bilanz der BAWAG P.S.K. 2005 nun "zur Gänze wertberichtigt".

Die BAWAG war mit 10 Prozent am Gemeinschaftsprojekt zur Errichtung des Casino Jericho beteiligt, zu dessen Eigentümern weiters die Casinos Austria, die MS Privatstiftung sowie eine palästinensischen Investorengruppe gehören.

Projektpartner nicht informiert

Diese Partner hätten von der - von der damaligen BAWAG-Führung vorgenommenen - Aufwertung nichts gewusst: "Sowohl die Frage der früheren Aufwertung als auch die Abschreibung des BAWAG-Anteils an der CAP-Holding in der Bilanz 2005 lag ausschließlich in der Sphäre der Bank", hält die BAWAG fest. Die Projektpartner hätten "weder die Abschreibung verursacht noch waren sie in irgendeiner Weise darin involviert oder darüber informiert", so die BAWAG.

Der im September 1998 eröffnete Casinokomplex in Jericho wurde "auf Grund politischer Ereignisse" im Oktober 2000 wieder geschlossen.

Zu dem genannten Beteiligungswert kommen noch Kredite im Volumen von 45 Mio. Euro, die die BAWAG im Zusammenhang mit Errichtung und Betrieb des Projekts vergeben hat. Dabei handle es sich um normale Kredite, die laut BAWAG noch laufen. Diese Kredite hätten nichts mit Aufwertung, Abschreibung oder einer Garantie des ÖGB zu tun. (APA)

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