Flugzeugbauer fliegt in ein Luftloch

2. Juli 2006, 17:33
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Manager verkauften kurz vor dem Kurseinbruch des Mutterhauses EADS massenhaft Stock­options und strichen Millionengewinne ein. Politiker verlangen eine Untersuchung

Hat EADS-Kochef Noël Forgeard Insiderinformationen ausgenützt und an den technischen Problemen von Airbus persönlich verdient? Tatsache ist, dass der französische Kochef des Luftfahrt- und Rüstungskonzerns sowie andere Spitzenmanager Mitte März Aktien der "European Aeronautic, Defence and Space Company" (EADS) für 5,2 Millionen Euro verkauften. Sie nützten dabei günstige Aktienoptionen (Stockoptions) aus, indem sie zuerst Titel für rund 16 Euro kauften und diese dann umgehend für 32 Euro verkauften. Forgeard erzielte dabei einen Gewinn von 2,5 Millionen Euro vor Steuern, wie die Pariser Börsenaufsicht AMF bekannt gab. Seine Kinder Louis, Catherine und Marie verkauften zwei Tage später, am 17. März, ebenfalls zehntausende von Aktien für knapp 33 Euro.

Auch Großaktionäre veräußerten Anteil

Andere Verkäufer waren Jussi Itavuori, Personaldirektor bei EADS, der einen Teil seiner Stockoptions ausübte und für über drei Millionen Euro Aktien verkaufte. Jean-Paul Gut, Leiter der internationalen Abteilung von EADS, verkaufte mehr als eine Million, François Auque, Chef der Raumfahrtsabteilung des Unternehmens, einige hunderttausend. Auch die beiden Großaktionäre Lagardère und DaimlerChrysler hatten im April je 7,5 Prozent ihres Kapitalanteile veräußert; dies war allerdings seit vergangenem Herbst angekündigt gewesen.

Konzernchef Arnaud Lagardère sagte der Zeitung Le Monde, er sei von den Lieferverzögerungen erst "vor sehr kurzer Zeit" informiert worden. Airbus-Chef Gustav Humbert habe noch im Mai versichert, der Zeitplan für die Auslieferung des A-380 werde eingehalten.

"Schwere Krise"

Diese Woche hatte Airbus eine Verzögerung von sechs bis sieben Monaten einräumen müssen. Der Aktienkurs des Mutterhauses EADS brach darauf ein. Ob Humbert oder Forgeard im Amt bleiben könnten, äußerte sich Lagardère nicht direkt; er wolle dies mit seinem deutschen Ko-Chairman Manfred Bischoff von DaimlerChrysler besprechen. Auf jeden Fall handle es sich bei Airbus um eine "schwere Krise", räumte Lagardère ein. In Paris verlangten der ehemalige Premierminister Laurent Fabius und andere Politiker eine Untersuchung über die Vorgänge, die zum Kurseinbruch führten.

Schuld ist nicht nur die neue Verzögerung bei der Auslieferung des doppelstöckigen "Riesen-Airbus" A-380. Zuvor hatten Airbus-Kunden wie Singapore Airlines auch Kritik am neuen Airbus-Projekt A-350 angebracht und eine völlige Neuplanung verlangt. Ein EADS-Sprecher stellte in Abrede, dass Forgeard von den bevorstehenden Rückschlägen gewusst habe. Airbus hatte am Dienstag angekündigt, dass nur das erste Exemplar des A-380 wie geplant zum Jahresende an Singapore Airlines ausgeliefert werde. Alle anderen Kunden müssen sechs bis sieben Monate länger warten.

Schon die zweite Verschiebung

Es ist dies bereits die zweite Verschiebung, nach der ersten Verzögerung ähnlichen Umfangs im Jahre 2005. Der europäische Flugzeugbauer rechnet nun damit, 2007 nur noch neun statt der geplanten 20 bis 25 Großraumjets auszuliefern; 2008 sollen es nur etwa 28 der geplanten 35 Maschinen sein. Als Grund für die neuerliche Lieferverzögerung nennt Airbus Engpässe bei der Herstellung von Elektroniksystemen in der Kabine. Airbus-Vorstandsmitglied John Leahy räumte ein, dass nun mit Strafzahlungen wegen der Verspätung zu rechnen sei. (Stefan Brändle aus Paris, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 17./18.6.2006)

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    EADS-Vorstand Noel Forgeard fliegen die Vorwürfe um die Ohren.

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