Sanierung bei GM kommt voran

4. Juli 2006, 15:47
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Weltgrößter Autobauer will in Nordamerika rund 30.000 Stellen streichen und zwölf Werke schließen - Proteste in Deutschland und Spanien

Las Vegas - Die Sanierung bei dem angeschlagenen US-Autohersteller General Motors (GM) kommt offenbar schrittweise voran. Für die Abfindungsangebote bei GM und seiner Ex-Tochter Delphi hätten sich bisher 33.500 Mitarbeiter und damit mehr als erwartet entschieden, teilte die US-Auto-Gewerkschaft UAW mit. Der weltgrößte Autobauer will in Nordamerika auf Grund sinkender Marktanteile rund 30.000 Stellen streichen und zwölf Werke schließen.

Der Konzern hat daher seinen mehr als 125.000 gewerkschaftlich organisierten Mitarbeitern Abfindungen zwischen 70.000 und 140.000 Dollar (bis zu 111.000 Euro) angeboten. Damit soll auch steigenden Zusatz-Kosten für eine älter werdende Belegschaft vorgebeugt werden. An den Finanzmärkten wird das Interesse an diesem Angebot genau beobachtet, da die Akzeptanz als ein wichtiger Faktor dafür angesehen wird, ob GM - wie im Sanierungsplan vorgesehen - in die Gewinnzone zurückkehren kann. 2005 hatte der Konzern einen Verlust von 10,5 Mrd. Dollar eingefahren.

Abfindungs-Angebot noch bis nächste Woche

"Ich glaube, es läuft ziemlich gut. Es ist etwas besser, als wir ursprünglich erwartet haben", sagte UAW-Präsident Ron Gettelfinger am Donnerstag mit Blick auf die Zahl von 33.500 Mitarbeitern, die sich bislang für das Abfindungsangebot entschieden haben. Bei GM hätten rund 25.000 und bei Delphi 8.500 Beschäftigte das Offert angenommen.

GM hat offiziell keine Ziel-Zahl genannt. Es hatte aber geheißen, man hoffe, am Ende 30.000 Beschäftigte zum Ausscheiden bewegen zu können. Die Mitarbeitern können noch bis kommende Woche für eine Annahme des Angebots entscheiden.

Keine Aussagen wollte die UAW zu dem aktuellen Stand der langwierigen Verhandlungen zwischen dem Zulieferer Delphi und GM über ein milliardenschweres Sparpaket machen. Die UAW hat für den Fall eines Scheiterns mit Streiks gedroht, der auch die GM-Produktion empfindlich treffen und hohe Kosten nach sich ziehen würde.

Um Geld in die Kassen zu bekommen, hatte GM jüngst die Mehrheit an seiner profitablen Finanztochter GMAC für 14 Mrd. Dollar verkauft. Zudem gab GM seine Anteile an Japans Autobauer Suzuki für zwei Mrd. Dollar ab.

Mitarbeiter in Europa-Töchtern bangen um Jobs

Sorgen machen sich derzeit Mitarbeiter in den europäischen Werken der GM-Töchter Opel, Saab und Vauxhall. Arbeiter in Deutschland, Belgien, Großbritannien, Portugal und Spanien müssen um ihre Jobs bangen, während die Produktion in Niedriglohnländer im Osten abwandert.

Das portugiesische Werk Azambuja, wo GM den Kastenwagen Opel Combo baut, steht mit seinen 1100 Beschäftigten vor dem Aus. Die Führung von GM Europe hat ausgerechnet, dass der Combo dort um 500 Euro pro Auto teurer produziert wird als an anderen möglichen Standorten. Die Betriebsräte halten dieses Argument allerdings für unglaubwürdig und für einen Vorwand, den Standort dicht zu machen. Sie sehen eine neue Strategie des Managements, der zufolge Werke in Westeuropa geschlossen werden sollen, um die Produktion nach Osteuropa, Korea und China zu verlagern.

Die Arbeiter in Azambuja protestierten auch am Freitag mit Arbeitsniederlegungen und Kundgebungen gegen die drohende Schließung. Eigentlich sollte das Aus für die Fabrik am Mittwoch verkündet werden, die Entscheidung wurde dann aber verschoben. Die Zukunft der Produktionsstätte in Azambuja werde "einige weitere Wochen" auf der Gesprächsagenda des Automobilkonzerns stehen, hatte der portugiesische Wirtschaftsminister Manuel Pinho gesagt, der sich in die Verhandlungen eingeschaltet hat.

Streiks in Deutschland möglich

Gewerkschaftskreisen zufolge werden nächste Woche aus Protest gegen die angedrohte Schließung in Portugal auch Arbeiter in Deutschland ihre Arbeit niederlegen. "Ab Montag sind Protestaktionen in Deutschland und Spanien geplant", sagte eine mit dem Vorgang vertraute Person am Freitag. "Es wird enorme Störungen in der Produktion geben. Das könnte GM wehtun."

Im spanischen Saragossa und im Opel-Werk in Eisenach läuft die Produktion für den Hoffnungsträger des Autoherstellers an: den neuen Corsa. Er soll nach den Plänen des Managements im Herbst in den Handel kommen. (APA/Reuters)

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    General Motors hat den mehr als 125.000 Mitarbeitern in den nordamerikanischen Werken Abfindungen zwischen 70.000 und 140.000 Dollar angeboten.

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