Wa(h)re Werte

8. November 2006, 10:54
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Nicht nur für Sammler und Profis: Uhren werden als Wertanlage immer interessanter - Das bestätigen auch die Auktionshäuser

Also wir wollen jetzt nicht dezidiert sagen, wo der Mann wohnt. Und wie er genau heißt. Nennen wir ihn einfach Axel W., und sagen wir: Er ist Schweizer und wohnt ... nein: eben nicht in einem Safe, sondern im Umraum Zürich. Das halten wir für nötig, aus Sicherheitsgründen, Der Mann ist nämlich Sammler. Genauer: Sammler von Rolex-Uhren. Eigentlich verbirgt sich dahinter ja eine zärtliche Geschichte. Wem Herr Axel W. seine Fotoalben zeigt, in denen sich sorgfältig fotografierte Rolex-Uhren tummeln wie anderswo Tanten, Cousins und Mallorca-Romanzen, der versteht das auf Anhieb.

Fast feucht werden die Augen, wenn der Unternehmer liebevoll auf Schönheiten wie die Rolex Beti 21 aus 1973 zeigt, Nummer 258 des auf 500 Stück begrenzten Vorläufermodells der Oysterquarz Day-Date, in der das erste weltweit konstruierte Quarzwerk-Herz pocht. Seit fünf Jahrzehnten, als ihm die Eltern mit 16 die erste Rolex schenkten, geht das jetzt so. Seither kauft der Mann jedes neue, vom Werk hinsichtlich irgendeines Details modifizierte Rolex-Modell. Sicherheitshalber - man ist immerhin Schweizer - in dreifacher Ausführung: In Gold, in Stahl und in Rolesor - zweimetallig. Herr Axel W. hat alle Modelle. "Mein Leben lang", sagt er dabei nicht ohne Stolz, "habe ich Rolex getragen".

Wahre Werte eben. Das sagt man teuren Uhren nach, auch wenn weniger Leidenschaft damit verbunden ist. Denn wer "mechanische Uhr" sagt, meint in der Regel dabei auch Wertanlage - selbst wenn es weder "garantierte" Wertsteigerungen noch allgemeine Richtlinien gibt. Ähnlich dem Börsenmarkt ist auch der Markt für klassische Armbanduhren ein lebendiges Gebilde, das auch Profis überrascht - und zuletzt doch eindeutig positiv auffiel.

Szenenwechsel zu Christie's, neben Sotheby's wohl das interessanteste Auktionshaus für den Verkauf historischer Armbanduhren. Aurel Bacs, der Leiter von Christie's Uhrenabteilung, blickt dort auf spannende Monate zurück: Die "Grand Complication", die der amerikanische Uhrensammler Harry Graves jr. 1933 beim Genfer Hersteller Patek Philippe in Auftrag gegeben hatte, kam erst kürzlich mit knapp zwei Millionen Dollar unter den Hammer, am selben Tag verkaufte Bacs die teuerste Armbanduhr in der Geschichte des Auktionshauses - ebenfalls aus dem Hause Patek Philippe und um 1.756.000 Schweizer Franken. Damit bestätigte man bei Christie's gleich mehrere Trends.

Erstens: kein Rekord ohne Patek Philippe

Von den fünfzehn teuersten Armbanduhren, die je bei Auktionen verkauft wurden, stammen vierzehn aus dem Hause Patek Philipp (und ein Modell von Vacheron Constantin) - wobei der Rekordpreis für das Modell "Platin World Time" bei über 6,6 Millionen Franken lag. Zweitens aber zeichnet sich weiter ein Trend zu gestiegenem Interesse an mechanischen Armbanduhren ab - ein für Auktionen vergleichsweise junges Feld. 1980 hielt man bei Sotheby's die erste diesbezügliche Spezialauktion ab - zu einem Zeitpunkt, an dem die Branche der mechanischen Uhren in einem dramatischen Existenzkampf verstrickt war. Eine gute Dekade für Sammler indessen: Uhren, die man damals um 10.000 Dollar kaufen konnte, sind heute in der Regel mehr als 100.000 wert, weiß Alexander Barter von Sotheby's. Tendenz steigend, vor allem seit Beginn der Neunzigerjahre. Die jüngsten Boomzeiten der mechanischen Uhrenindustrie haben nicht nur Anzahl, Preisniveau und Angebotspalette der abgehaltenen Auktionen verändert, sondern auch das Zielpublikum: Neben Profis bieten heute auch vermehrt Sammler mit, was nicht zuletzt durch aufwändige Kataloge unterstützt wird. Information bedeutet natürlich auch hier Vorsprung.

Neben dem Zustand entscheiden dabei natürlich auch die Geschichten, die hinter den Uhren stehen. Wobei es sich noch nicht einmal um den "heiligen Gral" der Uhrensammler handeln muss: eine von A. L. Breguet in 44-jähriger Arbeit für Marie Antoinette hergestellte und nun verschollene Uhr. Greifbarer sind Klassiker-Modelle, die wegen diverser Innovationen im Rahmen der Geschichte der Uhrenkonstruktion eine Ausnahmestellung innehaben. Dazu kommt ganz generell die Strategie der künstlichen Verknappung in Form von eng limitierten Kleinserien - und mitunter auch Geschichten wie jene des Herstellers Chopard, dessen L.U.C.-Kollektion auf eine Zäsur innerhalb der Firmengeschichte verweist. Mitte der Neunzigerjahre entschied sich die bis dato auf erlesene Schmuck- und Luxusherrenuhren abonnierte Marke nämlich, den Sprung zur eigenen Manufaktur zu wagen - auch das kann den Klassiker-Status begründen.

Punktete das 1996 vorgestellte Kaliber L.U.C. 1.96 dank einer eigenwilligen Konstruktion mit Mikrorotor und übereinander gestapelten Federhäusern, so markierte die nächste konstruktionstechnische Herausforderung - nämlich die überaus komplizierte Herstellung eines eigenen Tourbillons - eine neuerliche Etappe. "Steel Wings Tourbillon" heißt eines der so zustande gekommenen technischen Kunstwerke, das über eine Gangreserve von stolzen 216 Stunden verfügt. Den beweglichen Käfig des Tourbillons positionierten die Konstrukteure so, dass man ihn durch eine Öffnung auf dem Zifferblatt betrachten kann. Dazu kommt auch noch eine Art Oscar für Uhren: Das berühmte Genfer Siegel, eine für Kenner nicht unwesentliche Auszeichnung, die nur wenigen Marken verliehen wird. Womit wir wieder beim Thema "Wertanlage" angekommen wären. Denn klar, dass es sich bei Chopards "Steel Wings Tourbillon", von dem nur 30 Exemplare hergestellt werden, um ein rares Sammlerstück handeln muss - die Edelstahlgehäuse-Ausführung des Modells kann es nicht verhindern. Wer in eines der raren Exemplare investiert hat: Die 74.790 Euro sind vermutlich gut angelegt.
(Robert Haidinger/Der Standard/rondo/16/06/2006)

  • Bei diesen Uhrenmodellen sollte man sich überlegen, ob man sie am Arm trägt oder in den Safe sperrt...
    foto: hersteller

    Bei diesen Uhrenmodellen sollte man sich überlegen, ob man sie am Arm trägt oder in den Safe sperrt...

  • Ihren Wert halten oder steigern sie auf jeden Fall...
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