Europa: Achterbahnfahrt geht weiter

20. Juni 2006, 19:24
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Ein Kommentar von Ronald Stöferle und Jürgen Ulamec aus dem Equity Weekly der Erste Bank

Die Achterbahnfahrt an den europäischen Aktienmärkten scheint weiter zu gehen. Zu Wochenbeginn lösten die weiterhin marktbeherrschenden Zinsängste erneut einen deutlichen Kursrutsch aus. Im Einklang mit einem regelrechten Ausverkauf am Tokioter Aktienmarkt prägten durchwegs rote Vorzeichen das Bild. Die am Donnerstag veröffentlichten positiven Konjunkturdaten aus den USA konnten die Stimmung jedoch wieder aufhellen und den europäischen Länderbörsen deutliche Kursaufschläge bescheren.

Kursverluste bei EADS

Im Übernahmekrimi um den in Luxemburg ansässigen Stahlhersteller Arcelor bleibt es weiterhin spannend. Der Vorstand von Arcelor empfiehlt weiterhin den Zusammenschluss mit dem russischen Stahlkocher Severstal und lehnt das Übernahmeangebot des Konkurrenten Mittal Steel ab. Der europäische Luft- und Raumfahrtkonzern EADS gab am Dienstag bekannt, dass es bei der Auslieferung des A380 zu Verzögerungen kommen werde. Die EADS-Aktie reagierte mit einem Einbruch von 30 Prozent auf diese Hiobsbotschaft. Als Grund für die Verzögerung gab das Unternehmen technische Probleme im Elektronikbereich an, die Mehrkosten von mehr als zwei Milliarden Euro verursachen. Zudem verdichten sich Gerüchte, dass einige Großaktionäre sowie Co-Chef Forgeard ihren Informationsvorteil für Insidertrading missbrauchten.

Die Deutsche Börse erwägt ihr Übernahmeangebot für die Euronext zu verbessern. Die Vier-Länder-Börse hat sich Anfang des Monats auf eine Fusion unter Gleichen mit der amerikanische NYSE Group verständigt. Dabei will die weltgrößte Börse die Euronext für fast 10 Mrd. Dollar in Bargeld und Aktien übernehmen. Die Crédit Agricole, die größte Genossenschaftsbank in Frankreich, vermeldete die Empori Bank of Greece für rund EUR 2,8 Mrd. übernehmen zu wollen. Im Rahmen der Transaktion ist das französische Kreditinstitut bereit, für jede Aktie des griechischen Wettbewerbers EUR 23,50 in bar zu zahlen. Der Stromversorger RWE gab zudem bekannt, eine strategische Beteiligung am holländischen Energiekonzern Nuon erwerben zu wollen. Nuon ist neben Essent mit einem Marktanteil von 35 Prozent Marktführer in Holland. Ob RWE eine Komplettübernahme von Nuon anstrebt, ist derzeit noch offen.

Auch der TecDax konnte sich gegen Wochenende wieder deutlich erholen. Maßgeblich an dieser Entwicklung beteiligt war der Solarsektor, der einen Teil der massiven Kursverluste wettmachen konnte. In der kommenden Handelswoche werden kaum relevante Wirtschaftsdaten oder Unternehmenszahlen veröffentlicht. Generell ist mit weiterhin hoher Volatilität (der VDax befindet sich auf dem höchsten Niveau seit zwei Jahren) sowie überproportionalen Reaktionen auf die Vorgaben der amerikanischen Leitbörsen zu rechnen.

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