UN alarmiert: 90 Prozent des Bestandes beliebter Speisefische bereits getilgt

23. Juni 2006, 17:28
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Plastik-Abfall und Fangmethoden machen der Natur schwer zu schaffen

New York - Die Weltbevölkerung bedient sich immer mehr an dem Reichtum der Meere und holt derzeit 84,5 Millionen Tonnen Fisch im Jahr auf den Tisch. Das ist mehr als das Vierfache des Konsums von Speisefischen Anfang der sechziger Jahre, warnen das UN-Umweltprogramm (UNEP) und die Weltnaturschutzunion (IUCN) in einem alarmierenden Bericht. Er sollte der UN-Vollversammlung in New York am Freitag zur Diskussion vorgelegt werden.

52 Prozent aller Fischbestände "voll abgeschöpft"

Demnach hat der Fang besonders beliebter Arten wie dem Tunfisch, Kabeljau sowie dem Schwert- und dem Speerfisch im vergangenen Jahrhundert 90 Prozent ihrer Vorkommen in den Weltmeeren getilgt. Mehr als die Hälfte, genau 52 Prozent, aller Fischbestände weltweit werden "voll abgeschöpft", heißt es in dem Bericht weiter. Der Anteil jener Arten, die verantwortungslos ausgebeutet wurden und nun um ihren Erhalt kämpfen müssen, stieg von der Mitte der 1970er Jahre bis 2002 von 10 auf 24 Prozent.

Die Experten schätzen, dass außer dem Fang von 84,5 Millionen Tonnen jedes Jahr weitere 20 Millionen Tonnen Fisch als Beifang in die Netze gehen, der für den Verkauf nicht geeignet ist und deshalb meist vernichtet wird. Vom Aussterben bedroht sind auch Tiefseearten, die nur langsam wachsen, sich zu ihrem Unglück aber wachsender Beliebtheit bei Gourmets erfreuen.

So der Atlantische Sägebauch, der erst nach 32 Jahren geschlechtsreif wird. Ein kürzlich gefangenes Exemplar dieser Art wurde auf ein Alter von 240 Jahren geschätzt. Das heißt, der Fisch schwamm in etwa seit Napoleons Geburt in der Tiefe des Atlantiks, heißt es in dem Bericht.

Plastik-Abfall und Fangmethoden machen der Natur zu schaffen

Opfer neuer Fangmethoden sind auch gefiederte Meeresanrainer: Etwa 300 000 Seevögel im Jahr werden Opfer der Langleinen-Fischerei. Die Seile sind über eine Länge von bis zu 100 Kilometern mit Ködern und Haken besetzt. Jeder dritte dieser Vögel ist ein Albatros. Folge: 19 der 21 Albatros-Arten kämpfen um ihre Existenz. Zu schaffen macht der Tierwelt auch der Plastikabfall von den Küsten sowie der Schifffahrt: Jede Quadratmeile Meeresoberfläche ist heute mit durchschnittlich 46.000 Plastikteilchen besät.

Dabei bergen die Weltmeere nach Meinung der Autoren noch ungeahntes Potenzial. Bisher seien erst 90 Prozent der Ozeane erforscht, heißt es in dem Bericht. Vom Tiefseeboden seien es bisher sogar nur 0,0001 Prozent. Von den Arten, die aus 3.000 und mehr Meter Tiefe gefischt würden, sei jede zweite unbekannt. Zu den neueren Erkenntnissen gehört auch, dass Korallenriffe in den tiefen Kaltwasserregionen der Meere bis zu 8.500 Jahre alt, 40 Kilometer lang, 35 Meter hoch und drei Kilometer breit werden können. (APA/dpa)

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