Reallöhne werden nicht so bald anziehen

28. Juni 2006, 15:11
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Die schrumpfenden Lohnquoten führen nicht automatisch zu einer ungerechten Umverteilung, heißt es in einer IHS-Studie

Die schrumpfenden Lohnquoten führen nicht automatisch zu einer ungerechten Umverteilung auf Arbeitnehmerkosten, heißt es in einer Studie des Instituts für höhere Studien. Vielmehr seien sie die "logische Folge kräftiger Investitionstätigkeit".

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Wien – Laut einem Bericht des Instituts für höhere Studien (IHS) führen stagnierende Reallöhne und eine sinkende Lohnquote nicht zwangsläufig zur Einkommensumverteilung auf Kosten der Arbeitnehmer. Schuld sei die weltweite Zunahme an Kapital, die, vor allem in den Industrieländern, zu einer sinkenden Lohnquote führe.

Die Studie macht wenig Hoffnung, dass die stagnierenden Reallöhne bald steigen werden: "Angesichts globaler Trends ist absehbar, dass die seit geraumer Zeit beobachtete Tendenz zu moderatem Reallohnwachstum und einem Rückgang der Lohnquote auch in der nahen bis mittleren Zukunft anhalten wird."

Investitionen nötig

Das gegenwärtige Wohlfahrtsniveau könne man nur mit vermehrten Investitionen absichern, so das IHS. In Österreich sei seit 25 Jahren ein stetiger Rückgang der Lohn- und Gehaltssumme zu verzeichnen. Es gebe in Österreich eine der niedrigsten Einkommensungleichheiten auf dem europäischen Kontinent, heißt es. In den vergangenen acht Jahren habe sich trotz sinkender Lohnquoten die Verteilung der Nettoeinkommen auf EU-Ebene kaum verändert.

Die Angst, dass eine Einkommensumverteilung die Kaufkraft nachhaltig schwäche, lässt das Institut nicht gelten. Auch nicht, dass die Lohnpolitik dies noch fördere und zu steigender Arbeitslosigkeit beitrage. Das Phänomen der sinkenden Lohnquoten treffe schließlich alle Industriestaaten.

Reallöhne stagnieren

Im Gegensatz zu den USA, wo die Reallöhne seit den 90er-Jahren wieder angezogen haben, stagnieren diese seit 1993 im Euroraum. Der seit Jahrzehnten steigende Anteil des Kapitaleinkommens am Volkseinkommen lasse die Lohnquote rein rechnerisch sinken. Diese Entwicklung sei nach Ansicht des IHS somit eine "logische Folge kräftiger Investitionstätigkeit". Denn gerade die Wirtschaftssektoren mit hohem Kapitalanteil haben in den OECD-Ländern in den vergangenen Jahrzehnten an Bedeutung gewonnen.

Künftige Lohnabschlüsse müssten stärker auf die Bedürfnisse der Betriebe zugeschnitten werden, fordert das IHS. Konkret müssten die Lohnabschlüsse in Anlehnung an die Gewinnsituation des Unternehmens gestaltet werden. Eine ähnliche Forderung erhebt die Industrie. Die Gewerkschaft hat dem bisher eine Absage erteilt. (APA, mdj, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 17./18.6.2006)

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