Bertelsmann leitet Verkauf von Musikverlag ein

4. Juli 2006, 22:10
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Deutlich über eine Milliarde Euro Erlös aus BMG Music Publishing-Verkauf erwartet

Der Gütersloher Medienkonzern Bertelsmann hat die Verkaufsauktion für seinen Musikverlag BMG Music Publishing eingeleitet. An einen ausgewählten Kreis von Interessenten würden in diesen Tagen Prospekte mit Geschäftsunterlagen verschickt, sagte Firmensprecher Andreas Grafemeyer am Freitag. Bertelsmann erwartet Erlöse in Höhe von deutlich mehr als einer Milliarde Euro.

Einnahmen sollen Rückkauf der GBL-Firmenanteile mitfinanzieren

Die Einnahmen sollen den Rückkauf der Firmenanteile vom belgischen Minderheitsaktionär Groupe Bruxelles Lambert (GBL) mitfinanzieren. Die Familie von Firmenpatriarch Reinhard Mohn hatte sich als Mehrheitseigner zum Rückkauf des 25,1-Prozent-Paketes zum Preis von 4,5 Milliarden Euro entschlossen. Mit dem in der deutschen Medienbranche beispiellosen Milliardendeal zum 1. Juli dieses Jahres verhindert die Eigentümerfamilie einen Börsengang des GBL-Pakets.

15 Interessenten in der engeren Auswahl

Nach Informationen aus Unternehmenskreisen soll es sich zunächst um einen Kreis von rund 15 Interessenten handeln, die bei der Auktion des Musikverlages in die engere Auswahl gezogen wurden. Der Kreis könne sich in den nächsten Wochen verkleinern. Über den möglichen Preis für das Filetstück gab es zunächst keine Angaben. "Das werden die nächsten Monate zeigen", sagte der Firmensprecher. Interesse gebe es sowohl bei strategischen als auch bei Finanzinvestoren. Nach Medienberichten soll auch der Chef des Musikverlages, Nicholas Firth, Interesse an einem Management-Buy-Out haben.

In Branchenkreisen wird üblicherweise mit mindestens dem zehnfachen des so genannten Net Publisher Share (NPS) gerechnet. Diese Größe ergibt sich als Art Bruttogewinn aus den Lizenzeinnahmen abzüglich der Lizenzgebühren, die an die Künstler abgeführt werden. Bei BMG Music Publishing liegt der Vergleichswert derzeit bei rund 170 Millionen Euro.

Der Musikverlag hält die Rechte an mehr als einer Million Werke berühmter Musiker, darunter Justin Timberlake, Robbie Williams oder die Gruppe Coldplay. Zum Geschäft gehört auch die Vermarktung der Songs bei Plattenfirmen oder Fernsehgesellschaften. Es gilt im Gegensatz zum Verkauf von Tonträgern, das Bertelsmann im Joint Venture Sony BMG Music Entertainment betreibt, als krisenfest. BMG Music Publishing ist nach Bertelsmann-Angaben der drittgrößte Musikverlag in der Welt. (APA)

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