Lokvenc muss es richten

17. Juni 2006, 20:00
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Hoffnungsträger gegen Ghana, Stürmer ersetzt verletzte Stars - Tschechen vier Pflicht­spiele ohne Gegentor - Afrikaner "gleichwertig"

Köln/Wien - Die Fußball-Hoffnungen auf eine vorzeitige Achtelfinal-Qualifikation von WM-Mitfavorit Tschechien ruhen am Samstag (18 Uhr) auf den breiten Schultern eines Österreich-Legionärs. Der 1,96 Meter große Sturmtank Vratislav Lokvenc von Vizemeister Red Bull Salzburg dürfte nach dem verletzungsbedingten Ausfall von Jan Koller (Muskelfaserriss) und Milan Baros (Fußverletzung) in Köln gegen Ghana als einzige Spitze der Tschechen spielen.

Mit einem Sieg würden die Tschechen wahrscheinlich ihr Achtelfinal-Ticket lösen. "Wir haben nicht die optimale Aufstellung, aber wir haben genug Stärke in diesem Kader", meinte Teamchef Karel Brückner, der wie schon beim überzeugenden 3:0-Auftaktsieg gegen die USA viel von seinen offensiven Mittelfeldspielern erwartet. Tomas Rosicky hatte sich mit zwei Toren, Pavel Nedved mit ebenso vielen Vorlagen in den Blickpunkt gespielt.

An vorderster Front aber steht ein Spieler, der seit fast einem Jahr kein Pflichtspiel mehr über 90 Minuten absolviert hat. Ein Kreuzbandriss hatte Lokvenc fast die gesamte Bundesliga-Saison außer Gefecht gesetzt, gegen die USA kam der 32-Jährige kurz vor der Pause als Ersatz für den verletzten Koller zu seinem WM-Debüt. In seinen 73 Länderspielen für Tschechien hat Lokvenc 14 Treffer erzielt - in Köln sollte auch das erste WM-Tor folgen.

"Ich schätze Ghana aber stärker ein als die USA", warnte Lokvenc, der in Statur und Spielstil an Koller erinnert. Als Alternative zum Salzburg-Sturmtank stehen Brückner, der womöglich die gesamte WM auf seine beiden Top-Angreifer verzichten muss, lediglich die offensiven Mittelfeldspieler Jiri Stajner von Hannover 96 und Marek Heinz von Galatasaray Istanbul zur Verfügung.

Große Stärken haben die kompakten Tschechen aber ohnehin auch in der Defensive. Keeper Petr Cech hat in den vergangenen vier Pflichtspielen kein Gegentor erhalten. "Wir können trotzdem Tore machen", meinte Ghanas Teamchef Ratomir Dujkovic. Dafür müssten sich vor allem aber die beiden jungen Stürmer Asamoah Gyan (20) und Matthew Amoah (25) steigern. Sie haben sich bei der 0:2-Auftaktniederlage gegen Italien kaum in Szene gesetzt.

Im Mittelfeld hatten Chelsea-Superstar Michael Essien und Kapitän Stephen Appiah von Fenerbahce Istanbul allerdings gut dagegengehalten. Tschechiens Karel Poborsky attestierte den Afrikanern sogar eine "mit Italien gleichwertige" Leistung. In der ersten Runde der Gruppenphase hat allerdings nicht ein einziges afrikanisches Team gewonnen. Vier Niederlagen steht ein Remis von Tunesien gegen Saudi-Arabien gegenüber.

"Teams, die ihr erstes Spiel verlieren, können sich immer noch für das Achtelfinale qualifizieren und weit kommen", meinte Appiah. Eine Niederlage dürfte für den WM-Debütanten allerdings das vorzeitige Ausscheiden bedeuten. Im Parallelspiel in Kaiserslautern (21 Uhr) treffen die Italiener auf die USA. Sollten Italien und Tschechien gewinnen, stünden die beiden Gruppenfavoriten bereits vor dem finalen Schlager als Aufsteiger fest.(APA/Reuters/AP)

  • TSCHECHIEN - GHANA (Kölner Stadion, 18 Uhr, Schiedsrichter: Horacio Elizondo/Argentinien):

    Tschechien: 1 Cech - 2 Grygera, 22 Rozehnal, 21 Ujfalusi, 6 Jankulovski - 8 Poborsky, 4 Galasek, 10 Rosicky, 20 Plasil, 11 Nedved - 12 Lokvenc Es fehlen: Koller (Muskelfaserriss), Baros (Fußverletzung)

    Ghana: 1 Kingston - 15 Paintsil, 4 Kuffour, 5 Mensah, 6 Pappoe - 8 Essien, 18 Addo, 10 Appiah, 11 Muntari - 14 M. Amoah, 3 Gyan

    • Bild nicht mehr verfügbar

      Karel Bruckner muss improvisieren.

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