Frankreich beschloss Atommüll-Endlager für tausende Jahre

25. Juni 2006, 17:10
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Verbot der Übernahme von Nuklearmaterial aus dem Ausland

Paris - Das stark von der Atomenergie abhängige Frankreich hat den Bau eines Endlagers für hochradioaktiven Abfall beschlossen. Das französische Parlament entschied am Donnerstagabend, die gefährlichsten Nuklearabfälle ab dem Jahr 2025 für tausende von Jahren in einem unterirdischen Stollen zu deponieren. Der Standort ist noch offen und soll 2015 festgelegt werden.

Daneben sollen verstärkt Alternativen zur Endlagerung erforscht werden; dabei geht es um eine Verringerung der Strahlung auf technischem Wege und eine Verlängerung der Zwischenlagerung von heute 50 bis 100 Jahren auf 100 bis 300 Jahre. Bekräftigt wird das Verbot, ausländischen Atommüll dauerhaft in Frankreich zu lagern.

80 Prozent aus Atomkraft

In Frankreich kommen fast 80 Prozent des Stroms aus Atomkraftwerken. Die Kosten zur Endlagerung des hochradioaktiven Abfalls werden vom Industrieministerium über hundert Jahre auf 15 Milliarden Euro geschätzt. Schon heute müssen die Kraftwerksbetreiber vier Milliarden Euro an Rückstellungen bilden, die laut Gesetz nicht zu anderen Zwecken verwendet werden dürfen. Die Regierung betreibt ein Forschungslabor im lothringischen Bure, das die Machbarkeit der Endlagerung testen soll. Bürgerinitiativen fürchten, dass die Entscheidung für den Standort gut zweihundert Kilometer von der deutschen Grenze entfernt damit de facto bereits gefällt wurde.

Das am stärksten strahlende Material macht 0,2 Prozent der über eine Million Tonnen Atommüll aus, die in Frankreich in den vergangenen vier Jahrzehnten anfielen. Es enthält aber rund 92 Prozent der Gesamtradioaktivität und muss tausende, teilweise sogar hunderttausende von Jahren gelagert werden, bis es seine Strahlung verliert. Zurzeit befinden sich diese Abfälle in Zwischenlagern an der Erdoberfläche. (APA/AFP)

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