Schulden noch höher als bekannt

25. Juni 2006, 09:49
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Hundstorfer: Weitere 229 Million Euro durch Verbindlichkeiten von ÖGB-Töchtern, Gesamtstand von 2,14 Milliarden Euro "aber wirklich alles"

Wien - Der Schuldenstand der gesamten ÖGB-Gruppe bei der BAWAG P.S.K. ist noch höher als bisher bekannt. Zu den bereits kolportierten 1,53 Mrd. Euro kommen weitere 229 Mio. Euro durch Verbindlichkeiten von ÖGB-Töchtern dazu. Das geht aus dem ausführlichen Konzernbericht der Bank hervor, der seit kurzem im Internet abrufbar ist.

Damit summiert sich der Schuldenstand des ÖGB auf nunmehr 2,14 Mrd. Euro. ÖGB-Präsident Rudolf Hundstorfer hat diese Summe gegenüber dem "Wirtschafts Blatt" (Freitagausgabe) bestätigt: "Es stimmt. Und ich versichere Ihnen, dass das wirklich alles ist."

Konzernbericht

Im 138 Seiten langen Konzernbericht, den die BAWAG am Mittwoch ins Internet gestellt hat, heißt es: Neben den 1,531 Mrd. Euro - als Folge der Abspaltung des Bankbetriebs per Ende 2004 entstandene Verrechnungsverbindlichkeit - hat die BAWAG "Forderungen gegen verschiedene Tochterunternehmen beziehungsweise Stiftungen des ÖGB" im Ausmaß von 229 Mio. Euro.

Damit summieren sich die ÖGB-Verbindlichkeiten bei der BAWAG auf 1,76 Mrd. Euro. Dazu kommt noch ein ÖGB-Kredit bei der Bayerischen Landesbank für den Rückkauf der BAWAG-Anteile von 380 Mio. Euro. Unterm Strich errechnet sich damit ein gesamter Schuldenstand des ÖGB von 2,14 Mrd. Euro.

Bawag-Sprecher bestätigt

Auch BAWAG-Sprecher Thomas Heimhofer bestätigt diesen Betrag sinngemäß, ist aber nicht glücklich darüber, wenn "Äpfel und Birnen und Topfengolatschen" zusammengerechnet werden. Die Verbindlichkeiten und Kredite hätten unterschiedliche Laufzeiten. Die BAWAG selbst habe die 229 Mio. Euro Verbindlichkeiten von ÖGB-Töchtern wie etwa Wohnbaugenossenschaften im Internet veröffentlicht, "um Offenheit und Transparenz" zu signalisieren.

Es handle sich bei den 229 Mio. Euro um normale Außenstände und Kredite bei der BAWAG, die für den laufenden Geschäftsbetrieb des ÖGB notwendig sind, wird Hundstorfer zitiert. Dieser Betrag sei stichtagsbezogen und ändere sich laufend.

Nicht zurückzahlen muss der ÖGB laut Hundstorfer die 120-Mio.-Euro-Forderung der BAWAG für das Casino in Jericho. Dieser Betrag sei bereits vollständig "verdaut", sagte BAWAG-Sprecher Thomas Heimhofer.

Verbindlichkeiten auch nach Verkauf der Bawag

Laut Hundstorfer ist der ÖGB nur bei der BAWAG und der BayernLB verschuldet. "Wir haben keine Kredite bei anderen Banken laufen", wird der ÖGB-Chef zitiert. Er gehe davon aus, dass der Großteil der Schulden mit dem Verkauf der BAWAG getilgt werden kann. Allerdings werde der ÖGB vermutlich auch danach offene Verbindlichkeiten haben.

Finanzreferent: "Werden mit blauem Auge davonkommen"

ÖGB-Finanzchef Clemens Schneider sieht die Chancen intakt, die derzeitige Finanzkrise seiner Organisation mit einem "blauen Aug" überstehen zu können. "Die BAWAG steht heute auf soliden Beinen für den Verkauf da. Wir gehen davon aus, dass wir alle Außenstände danach decken können", sagt Schneider in einem Interview mit der aktuellen Ausgabe des Nachrichtenmagazins "Format". Dem hohen Schuldenstand des ÖGB stünden auch Aktiva gegenüber, aus der AVB etwa Wertpapiere, die von der Bawag verwaltet werden.

Derzeit liste man zusammen mit der Nationalbank (OeNB) alle Vermögenswerte auf, mit der OeNB wird laut Schneider auch ausgearbeitet, wie groß das betriebswirtschaftlich notwendige Vermögen des ÖGB sein müsse. "Wir brauchen natürlich auch Immobilien, um unsere Bilanz darstellen zu können", sagt Schneider in dem Interview.

Über die Verkehrswerte der Immobilien hält sich der ÖGB-Finanzchef bedeckt. Nach einer Schätzung in dem"Format"-Bericht belaufen sich diese auf gut 250 Mio. Euro, wobei allein der Anteil an gemeinnützigen Wohnbaugesellschaft BWS der Eisenbahnergewerkschaft(nach Ertragswertmethode) rund 100 Mio. Euro wert sein soll. Bei einem Verkauf der zwölf Headquarters der Teilgewerkschaften könnten bis zu 75 Mio. Euro hereinkommen. (APA)

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