Diebe gaben sich als Mitarbeiter von Sozialdiensten aus

18. Juni 2006, 19:36
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Ärztliche Untersuchung vorgetäuscht und ältere Frauen bestohlen

Mit einem gefinkelten Trick soll eine Bande seit Jänner zumindest 40 ältere Frauen in Wien bestohlen haben. Die Täter gaben sich am Telefon als Mitarbeiter von sozialen Diensten aus und vereinbarten einen Termin, bei dem ein Arzt wegen der Neueinstufung des Pflegegeldes in die Wohnung des Opfers kommt. Während der falsche Mediziner im Badezimmer eine oberflächliche Untersuchung vornahm, entwendete eine Komplizin Wertgegenstände und Bargeld. Die Schadenssumme beläuft sich vorläufig auf 130.000 Euro.

Bei den Opfern handelt es sich ausschließlich um Frauen im Alter von 65 bis 85 Jahren. "Sie dürften sich Personen mit altmodischen Vornamen aus dem Telefonbuch gesucht haben. Wenn sie gemerkt haben, dass auch ein Mann anwesend ist, haben sie das Gespräch sofort abgebrochen", sagte ein Ermittler zur APA.

Falscher Arzt

Als falscher Arzt dürfte stets der 47-Jährige Jonny St. in Erscheinung getreten sein, der nach seinem Eintreten für eine Komplizin die Wohnungstüre offen gelassen hat. "Er hat die Frauen im Badezimmer abgeklopft, die Opfer haben meist gar nicht gesehen, dass eine weitere Person in die Wohnung gelangt ist", so der Kriminalist. Die Bestohlenen bemerkten zudem oft erst Tage später, dass Wertgegenstände oder Bargeld fehlt.

Nach umfangreichen Recherchen erwischte die Polizei das einschlägig vorbestrafte Trio auf frischer Tat in einer Wohnung in Wien-Rudolfsheim. "Sie sind nicht kooperativ", so die Exekutive.

Das Vertrauen der Opfer in staatliche Organe war nach der Straftat oft erschüttert. "Die Kriminalbeamte mussten oft einen uniformierten Kollegen holen, damit sie in die Wohnung gelassen wurden", sagte der Ermittler.

Die Polizei geht davon aus, dass noch weitere Personen Opfer der Bande geworden sind. Geschädigte werden gebeten sich unter der Telefonnummer (01) 31310/43310 oder 43800 (Journaldienst) zu melden. (APA)

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